<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Targya - Cursorherz: FutureZone]]></title><description><![CDATA[Eine fortlaufende Geschichte vom Eintauchen in eine künstliche Welt und den Veränderungen, die dabei unmerklich einsetzen und von Beziehungen, die sich entwickeln, während man eigentlich etwas ganz anderes sucht.

Start Ende Januar 2026. Langfristig exklusiv im Abo.]]></description><link>https://targya.substack.com/s/futurezone</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ktZS!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4efcf844-bdc6-4943-8ac3-87445fd2623c_512x512.png</url><title>Targya - Cursorherz: FutureZone</title><link>https://targya.substack.com/s/futurezone</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Thu, 07 May 2026 09:52:24 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://targya.substack.com/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Targya]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[targya@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[targya@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Targya - Cursorherz]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Targya - Cursorherz]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[targya@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[targya@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Targya - Cursorherz]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Staffel 1, Teil 3 [FutureZone]]]></title><description><![CDATA[Folge 09]]></description><link>https://targya.substack.com/p/staffel-1-teil-3-futurezone</link><guid isPermaLink="false">https://targya.substack.com/p/staffel-1-teil-3-futurezone</guid><pubDate>Thu, 23 Apr 2026 05:01:24 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ktZS!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4efcf844-bdc6-4943-8ac3-87445fd2623c_512x512.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<h3>Folge 09</h3><p>Spieler von Sitz 5</p><p>Ich sitze immer noch auf der Bank im Garten.</p><p>Rosenb&#252;sche, akkurat gestutzt, umrahmen das kleine Rechteck Rasen wie ein digitaler Bilderrahmen &#8211; still, makellos, fast unversch&#228;mt symmetrisch. Zwischen den starren Stielen blitzen die Primeln. Sie st&#246;ren mich l&#228;ngst nicht mehr. Ich habe sogar Astern entdeckt, die sich hier zwischen die Ordnung geschummelt haben.</p><p>Die Stimme aus dem Off meldet sich regelm&#228;&#223;ig, jedes Mal mit der gleichen, einstudierten Hoffnung im Klang:</p><p>&#8222;Eine Haust&#252;r k&#246;nnte ge&#246;ffnet werden.&#8220;</p><p>Wieder und wieder. Immer gleich betont, als w&#252;sste sie nicht, dass ich l&#228;ngst beschlossen habe, nicht zu gehorchen.</p><p>K&#246;nnte. Aber warum sollte ich?</p><p>Mein R&#252;cken tut nicht weh. Die Bank ist weich genug. Die Sonne w&#228;rmt mein Gesicht, aber nicht zu stark. Die Luft riecht nach Rosen, nach warmer Erde, nach etwas, das aus einem Sommer meiner Kindheit entkommen ist. Erinnerung, vielleicht &#8211; oder ein Schatten davon. Ich atme tief ein. Halte den Moment fest, so fest, wie man einen Moment &#252;berhaupt halten kann.</p><p>Ein anderer h&#228;tte l&#228;ngst geklickt. T&#252;r auf, Spiel voran.</p><p>Ich nicht. Vielleicht bin ich der Bug in ihrer Dramaturgie &#8211; der winzige Codefehler, der sich in eine Gartenbank tr&#228;umt, statt dem Questmarker hinterherzulaufen. Vielleicht bin ich auch nur m&#252;de. Oder, realistischer, der Einzige, der gemerkt hat, dass es hier nichts zu erreichen gibt. Aber viel zu f&#252;hlen.</p><p>#FutureZone25 &#8211; Halle 3 &#8211; Gamecube Beta. Carecenter </p><p>&#8222;Was ist mit Spieler F&#252;nf?&#8220;</p><div><hr></div><p><em>Weiterlesen: Dieser Teil ist f&#252;r Abonnent:innen.</em></p><div class="paywall-jump" data-component-name="PaywallToDOM"></div><p>Die Stimme l&#246;st sich aus dem Halbdunkel oberhalb der Hauptkonsole,</p><p>wie ein Schatten, der Worte formt.</p><p>&#8222;Keine Fehlfunktion.&#8220;</p><p>&#8222;Aber er bewegt sich nicht.&#8220;</p><p>Zwei Crewmitglieder aus der Sektion Lebenssysteme heben gleichzeitig die Hand,</p><p>wie T&#228;nzer, die den Takt kennen.</p><p>&#8222;Vitalwerte unauff&#228;llig. Besser als beim Spieleintritt.&#8220;</p><p>Ein kurzer Atemzug Stille, dann das Achselzucken:</p><p>&#8222;Alles gut. Er spielt nur nicht.&#8220;</p><p>Auf dem linken Monitor flirren Zahlen,</p><p>springen in Raster,</p><p>werden zu Tabellen,</p><p>wandern in den Speicher,</p><p>verschwinden hinter Dateinamen, die keiner liest.</p><p>&#8222;Dann gibt&#8217;s in dieser Runde eben keine Ergebnisse zu rundenbasierten Strategien.&#8220;</p><p>Eine dritte Person &#246;ffnet ein Fenster.</p><p>Wei&#223;es Gitterraster.</p><p>Ein Datenblatt klappt auf wie ein Karteikasten im Neonlicht.</p><p>&#8222;Wir k&#246;nnten ihn in ES packen.</p><p>Vielleicht will er als Trainer arbeiten?&#8220;</p><p>Die Stimme ein Zwischending aus Spa&#223; und Vorschlag.</p><p>Der Neue &#8211; ein Praktikant?</p><p>Oder gerade frisch ins Carecenter versetzt? &#8211;</p><p>l&#246;st sich vom Rand, geht ans Wandboard.</p><p>Die Anzeige wirkt wie aus einer anderen Epoche;</p><p>einige Begriffe schimmern nur noch als blasse Konturen.</p><p>Er liest halblaut, fast wie f&#252;r sich:</p><p>&#8222;ES &#8230; Erweiterte Sportwelt. Bewegungsbasierte Simulation.</p><p>Reaktionsanalyse. Kraft-Ziel-Koordination &#8230;&#8220;</p><p>Ein Seitenblick zur Gruppe.</p><p>&#8222;Ist das dieser EA-Klon?&#8220;</p><p>Die Kollegin neben ihm zieht eine Braue hoch, grinst.</p><p>&#8222;Fr&#252;her hie&#223; das mal ErfahrungsArena. Dann kam das Sponsoring.&#8220;</p><p>Ein leises Lachen rinnt durch den Raum,</p><p>verhallt zwischen L&#252;fterrauschen und dem Summen der Monitore.</p><p>Blinken, Aufleuchten, Dunkeltakte.</p><p>Spieler Eins sitzt noch immer auf der Bank.</p><p>#FutureZone25 &#8211; Halle 3 &#8211; PC34-6LK: Systembericht </p><p>Beobachtung:</p><p>Mehrere Einheiten innerhalb der aktuellen Kohorte zeigen eine deutliche Pr&#228;ferenz f&#252;r passives Verweilen gegen&#252;ber aktivem, zielgerichtetem Agieren.</p><p>Das Verhaltensmuster manifestiert sich wiederholt in l&#228;ngeren Aufenthalten innerhalb statischer Spielbereiche, gekennzeichnet durch geringe Reizdichte, minimale Interaktionsaufforderungen und weitgehend unver&#228;nderte Umweltparameter.</p><p>Selbst bei l&#228;ngeren Beobachtungsintervallen bleibt das Aktivit&#228;tsprofil homogen, ohne erkennbare &#220;berg&#228;nge in explorative oder kompetitive Modi.</p><p>Befund:</p><p>Die erfassten Bewegungsdaten bewegen sich konstant innerhalb eines stabilen, reizarmen Aktivit&#228;tskorridors.</p><p>Die maximale Amplitude bleibt in allen Messzyklen deutlich unter dem internen Schwellenwert f&#252;r &#8222;erh&#246;hte Reaktionslage&#8220;.</p><p>Signifikante Peaks fehlen; stattdessen liegen die Werte in einem Bereich, der auf niedrige neuronale Erregung und reduzierte physische Ausf&#252;hrungsbereitschaft schlie&#223;en l&#228;sst (vgl. Messprotokoll 17-B).</p><p>Interaktionsraten: konstant &lt; 3 % im Verh&#228;ltnis zum Medianwert der Kohorte (14,6 %), Standardabweichung 2,1.</p><p>Weder spontane noch reaktive Engagement-Phasen wurden registriert.</p><p>Selbst bei direkter Ann&#228;herung fremder Avatare oder moderater Systemprovokation (z. B. &#196;nderung der Hintergrundkulisse) bleibt die Interaktion auf einem statistisch vernachl&#228;ssigbaren Niveau.</p><p>Reaktionszeit auf Event-Trigger tendiert gegen Null; Ausnahme: auditiv-&#228;sthetische Stimuli mit &#252;berdurchschnittlicher Klang- oder Farbintensit&#228;t.</p><p>Diese Ausnahmef&#228;lle zeigen kurze, aber signifikante Aktivierungsspitzen (&#216; 0,84 s Reaktionsverz&#246;gerung) und k&#246;nnten auf ein sensorisch orientiertes Interaktionsprofil hinweisen.</p><p>Korrelation:</p><p>Hohe H&#228;ufung innerhalb der Altersgruppe 40+ (Indexwert: +27 % gegen&#252;ber dem Gesamtdurchschnitt).</p><p>Keine signifikanten Zusammenh&#228;nge zu Spielfraktion, gew&#228;hltem Avatarprofil, Einstiegsmotiv oder Tagesform erkennbar.</p><p>Zusatzanalyse der Begleitdaten: kein Anstieg der Aktivit&#228;tsrate durch Belohnungssysteme, Missionsanreize oder Gruppeneinladungen.</p><p>Anmerkung der Analyseinstanz:</p><p>Weitere Beobachtung empfohlen, insbesondere hinsichtlich m&#246;glicher &#220;berg&#228;nge in inaktive Zust&#228;nde (&#8222;Idle Mode&#8220;) oder langfristige Abkopplung vom aktiven Spielgeschehen.</p><p>Datenabgleich mit Verhaltensarchiv der Saison 04/26 in Vorbereitung.</p><p>Ergebnisse flie&#223;en in das n&#228;chste Quartals-Update der Passive Player Pattern Detection Suite ein.</p><p>Spieler von Sitz 1</p><p>Verdammt.</p><p>Verdammt, verdammt, verdammt.</p><p>Diese Strichm&#228;nnchen.</p><p>Mit ihren albernen Bewegungen. Mit ihren ausdruckslosen Gesichtern.</p><p>Ich hasse sie.</p><p>Ich hasse sie mit einer Intensit&#228;t, die man eigentlich f&#252;r wichtigere Dinge aufsparen sollte.</p><p>Es brodelt.</p><p>Ich bin keine gute Verliererin.</p><p>Wei&#223; ich l&#228;ngst. Muss mir niemand sagen.</p><p>Der Raum ist anders. Ich bin anders.</p><p>Und trotzdem macht&#8217;s nichts besser.</p><p>Klein. Rund. Pummelig.</p><p>Wie ein schlecht gezeichneter Keks auf Beinen.</p><p>Eine Kugel mit schlechter Laune und zu kurzen Armen.</p><p>Weiter weg von meinem idealen Selbst geht kaum.</p><p>Ich stapfe. Stampfe.</p><p>Schlurfen oder Stampfen, das sind die Optionen.</p><p>Langsames Stampfen mit Schlurffaktor oder aggressives Stampfen mit Staubwolken.</p><p>Ich nehme b.</p><p>Immer b.</p><p>Stampfen, bis es vibriert.</p><p>Stampfen, bis der Boden beleidigt zur&#252;ckschl&#228;gt.</p><p>Wieder &#252;ber diese Wiese.</p><p>Zackige Halme. Viel zu zackig.</p><p>Wie winzige gr&#252;ne Messer.</p><p>Und B&#228;ume Gleiche B&#228;ume. Manche mit Pfirsichen, mache ohne. Trotzdem irgendwie gleich.</p><p>Beim ersten Mal stand da diese &#252;bermotivierte Blondine.</p><p>Mondgesicht.</p><p>H&#228;nde fuchtelnd wie ein schlecht gelaunter Fluglotse.</p><p>Wollte mir was erkl&#228;ren.</p><p>Hab sie ignoriert.</p><p>Weil ich klug bin.</p><p>Oder stur.</p><p>Oder beides.</p><p>Da, der dicke B&#228;r.</p><p>Immer der dicke B&#228;r.</p><p>Steht da wie eine Einladung zum Ungl&#252;cklichwerden.</p><p>Will mich wieder in sein H&#228;uschen locken.</p><p>Gruselig.</p><p>Aber immer noch besser als der singende Hund vorm Kaufhaus.</p><p>Der Albtraum in Fell.</p><p>Keine wirkliche Melodie, mehr pures Leiden. </p><p>Ich muss mein Haus bauen.</p><p>Eine Br&#252;cke planen.</p><p>Irgendwohin gehen.</p><p>Jemanden treffen? Oder finden?</p><p>Ein K&#228;fer. Ich habe ein Netz, aber weder Zeit noch Lust, noch weiss ich warum.</p><p>Und diese Pinguine&#8230;</p><p>Zwei? Drei? F&#252;nf?</p><p>Sprechen synchron.</p><p>Klingen wie ein Werbespot in Dauerschleife.</p><p>Eine gemeinsame Lunge, eine gemeinsame Agenda, ein gemeinsamer Plan, mich wahnsinnig zu machen.</p><p>Ich sch&#252;ttle den Kopf.</p><p>Sch&#252;ttle noch mal.</p><p>Und noch mal.</p><p>Nicht meine Welt.</p><p>Nie.</p><p>Nie, nie, nie.</p><p>#FutureZone25 &#8211; Halle 3 &#8211; PC34-6LK: Systembericht </p><p>Beobachtung:</p><p>Spieler:innen mit niedriger Frustrationstoleranz verzeichnen in nicht-kompetitiven Spielumgebungen keine messbar h&#246;here Zufriedenheit.</p><p>Befund:</p><p>Affektive Reaktionen (Mimik-Cluster, Stimmanalyse, Bewegungsmusterprofile) signalisieren anhaltenden Unmut trotz massiv reduzierter Herausforderung. Auff&#228;llig: verst&#228;rktes Vermeidungsverhalten bei optionalen Interaktionsmodulen, Abbruchquoten in reizarmen Arealen deutlich &#252;ber Median.</p><p>&#128231; FW: Testbericht Phase IV &#8211; Reizgrenze &amp; Spielverwerfung</p><p>Von: dev.central@soma-unit.sys</p><p>An: exec-circle@echelon-grid.net</p><p>Betreff: (Vertraulich) Immersionsgrenze 45i &#8211; Ma&#223;nahmen &amp; Handlungsempfehlungen</p><p>Kommentar:</p><p>F&#252;r den Eigner-Call voraussichtlich relevant, vor allem Abschnitt zu den AromaPods &#8211; Ethikteam meldet erneute Bedenken, rotierende Alarmbereitschaft. Diskretion empfohlen.</p><p>Mailinhalt:</p><p>Hi zusammen,</p><p>kompaktes Zwischenupdate aus der Entwicklungsleitung:</p><p>Die Konzepte Survival Mode, Jurassic Iteration und DreamCollapse sind gestrichen &#8211; Testgruppen reagierten mit &#252;berproportionaler Heftigkeit. Immersionsgrenze 45i mehrfach &#252;berschritten, inklusive Symptomen wie dissoziativen Episoden, motorischen St&#246;rungen, abrupten Sitzungsabbr&#252;chen, Orientierungsl&#252;cken.</p><p>Wir pr&#252;fen aktuell eine Erh&#246;hung der Schwelle &#8211; allerdings ausschlie&#223;lich in Kombination mit aromatischer Medikation via AromaPod (Modul Alpha, Gamma, Theta &#8211; vollst&#228;ndige Parameter siehe Anhang).</p><p>Offiziell: rein hypothetische Er&#246;rterung.</p><p>Inoffiziell: Implementierung unausweichlich; offen bleibt nur Zeitpunkt und passendes Framing.</p><p>Gr&#252;&#223;e</p><p>&#8211; M.</p><h3>Folge 10</h3><p>Kinsa</p><p>&#8222;M&#246;chtest du jetzt ein Grundst&#252;ck ausw&#228;hlen &#8211; oder das Spiel verlassen?&#8220;</p><p>Sims.</p><p>Definitiv verlassen.</p><p>Ich klicke.</p><p>Nichts.</p><p>Nochmal.</p><p>Immer noch nichts.</p><p>&#8222;Sry, pack sie einfach r&#252;ber.&#8220; Die Stimme klingt nicht so als w&#228;re die Information f&#252;r mich bestimmt gewesen.</p><p>&#8222;Hey! Du hast einen Bug gefunden &#8211; m&#246;chtest du ihn melden?&#8220;</p><p>Schon mehr in meine Richtung.</p><p>Ein Klicken &#8222;Kundensupport aktiviert&#8220;. Wieder ein Klicken.</p><p>Eine freundliche Stimme, diesmal definitiv f&#252;r mich.</p><p>&#8222;Hi! Wie kann ich dir helfen?&#8220;</p><p>Pack. Mich. In. Eine. Neue. Welt.</p><p>Nicht morgen. Nicht gleich. Jetzt. Sofort.</p><p>Kurze Pause. Ein blinkender Cursor. Dann &#246;ffnet sich ein Fenster.</p><p>K&#252;nstlich freundlich. Sanft animiert. So sanft, dass es nervt.</p><p>&#8222;Okay &#8211; ich schiebe dich r&#252;ber auf Port 4. Dann kannst du direkt beginnen.&#8220;</p><p>War das jetzt Hilfe?</p><p>Oder ein Abwurf aus der Luftschleuse?</p><p>Egal. Hauptsache raus.</p><p>Oder weiter.</p><p>Oder irgendwohin, wo nicht alles nach frisch installierter H&#246;lle riecht.</p><p>Sami</p><p>Ich laufe bis zu einer Wegbiegung.</p><p>Dort steht eine Frau.</p><p>Sie steht nicht einfach &#8211; sie wartet.</p><p>Oder sieht zumindest so aus.</p><p>Ruhig. Unverr&#252;ckbar.</p><p>Ihr Blick hakt sich in meinen ein.</p><p>Kein L&#228;cheln. Keine Bewegung.</p><p>Nur dieses stille Abwarten, als w&#228;re mein Erscheinen hier l&#228;ngst beschlossen.</p><p>&#8222;Wie lautet dein Name?&#8220;</p><p>Ich z&#246;gere.</p><p>Welcher Name? Meiner? Ein neuer?</p><p>Der alte f&#252;hlt sich hier nicht passend an, zu schwer, zu falsch.</p><p>Bevor ich etwas sagen kann, spricht sie weiter.</p><p>Sie schl&#228;gt einen Namen vor.</p><p>Etwas mit -ion am Ende.</p><p>Ein weiches Ende. Ein Ziel, das keins ist.</p><p>Ich nicke. Klingt richtig. Klingt endg&#252;ltig.</p><p>Ich gehe weiter.</p><p>Der Weg zieht sich, schl&#228;ngelt sich, &#246;ffnet sich.</p><p>Dahinter: ein Dorf.</p><p>Am Rand des Weges stehen Figuren in langen Roben.</p><p>Gr&#252;nt&#246;ne in allen Schattierungen, flie&#223;ender Stoff, schwere Falten.</p><p>In den H&#228;nden: St&#228;be, l&#228;nger als sie selbst.</p><p>Einer hebt seinen Stab.</p><p>Ein blauer Blitz rei&#223;t den Himmel kurz auf.</p><p>Etwas f&#228;llt zu Boden.</p><p>Ein Pilz &#8211; wenn man das so nennen kann.</p><p>Durchscheinend, schimmernd, leicht verformt, als h&#228;tte jemand ihn im Traum entworfen.</p><p>Der Gr&#252;ngekleidete b&#252;ckt sich, greift mit zwei Fingern zu.</p><p>Seine Bewegung ist so pr&#228;zise, dass sie fast rituell wirkt.</p><p>Der Pilz verschwindet in einer Tasche an seiner Seite.</p><p>Keine Sporen, kein Staub.</p><p>Nichts bleibt zur&#252;ck.</p><p>Als h&#228;tte es ihn nie gegeben.</p><p>Neben mir bewegt sich etwas.</p><p>Leise. Fast unmerklich.</p><p>Ich sp&#252;re es, bevor ich es sehe.</p><p>Ein weiterer Pilz, schillernd und gl&#228;sern, kippt leicht nach vorn.</p><p>Dann richtet er sich wieder auf.</p><p>Kein Bein, kein Blatt, kein Ansatz von etwas Vertrautem.</p><p>Nur dieses Aufrichten.</p><p>Ein leises Knacken.</p><p>Wie ein Ast, der im Frost bricht.</p><p>Ich zucke zusammen.</p><p>Bewegung ohne Ziel. Leben ohne Form.</p><p>Ich hebe den Stock.</p><p>Der Pilz h&#228;lt inne.</p><p>Ich tippe ihn an.</p><p>Ein Ton, d&#252;nn wie springendes Glas, bricht in der Luft.</p><p>Dann bleibt nur ein kleines Stofffragment.</p><p>Der Rest? Zersplittert, fort.</p><p>Als h&#228;tte er nie existiert.</p><p>Verstanden:</p><p>Ber&#252;hren. Looten. Weiter.</p><p>Ich verlasse das Dorf auf einem schmalen Pfad.</p><p>Meine Schritte sind automatisch geworden.</p><p>Auge, Hand, Griff.</p><p>Sammeln.</p><p>Alles, was ich bekommen kann.</p><p>Alles.</p><p>Kinsa</p><p>Wald.</p><p>Glaube ich.</p><p>Zumindest f&#252;hlt es sich so an.</p><p>Weicher Boden unter den F&#252;&#223;en. Gefiltertes Licht, das in schr&#228;gen Bahnen zwischen den St&#228;mmen h&#228;ngt. Feuchte Luft, schwer vom Duft nach Farn und Moos. Als h&#228;tte der Wald selbst gerade tief geatmet.</p><p>Zwischen den B&#228;umen &#8211; Bewegung. Kleine Tiere, kuschelig, hasen&#228;hnlich, aber mit spitzen Ohren.</p><p>Und weniger hektisch. Eher abwartend oder tr&#228;ge. Als w&#252;rden sie schon l&#228;nger hier sein als die B&#228;ume und das Moos.</p><p> An manchen stillen Stellen w&#246;lbt sich der Boden. Pilze dr&#252;cken sich heraus, langsam, als w&#252;rden sie erst pr&#252;fen, ob es sicher ist. H&#252;te, die sich entfalten wie im Rhythmus eines Atems. Glasig, blasig. </p><p>Und mit lichten klingenden Bewegungen. Dazwischen auch einzelne, etwas gr&#246;&#223;ere, die mit &#8222;Plopp&#8220; aus dem Nichts auftauchen. </p><p>Eine freundliche, friedliche Welt. Aus einem M&#228;rchenbuch. </p><p>F&#252;r Kinder.</p><p>F&#252;r richtig kleine Kinder.</p><p>Der Support hat mich nicht nur verschoben. Er hat mich ver&#228;ndert. Outfitterstellung, Frisurenupdate, vermutlich sogar ein unsichtbarer Hautfilter. Angemessen, w&#252;rde er sagen. Ich sehe aus, als sei ich auf dem Weg zu einem Mittelalterfest. Lederweste. Geschn&#252;rte &#196;rmel. Kein Umhang &#8211; vielleicht zu warm. Daf&#252;r gl&#228;nzend polierte Schnallenstiefel, die leise knarzen, wenn ich den Fu&#223; setze.</p><p>Ich folge einem schmalen Pfad. Moosbedeckte Steine, ab und zu eine Wurzel. Keine Karte. Keine Questanzeige. Kein Ziel. Nur Wald, der sich in alle Richtungen zieht. Eine Ruhe, so perfekt, dass sie fast programmiert wirkt. </p><p>Haha.</p><p>Vielleicht auch eher, wie Fake-Bilder: KI in Aquarell.</p><p>Genauso echt wie das Schrankzimmer eben, aber ich sp&#252;re hier eine Freiheit, als w&#252;rde hinter dem was ich sehen und sp&#252;ren kann noch mehr sein.</p><h3>Folge 11</h3><p>Sami</p><p>Inzwischen habe ich ein St&#252;ck Kerzenwachs, drei kleine Steine, etwas Holz, ein wei&#223;es Hemd und einen Tannenzapfen gefunden. Alles verschwindet in meinem Beutel, der sich anf&#252;hlt wie ein h&#246;fliches Schwarzes Loch: nimmt alles auf, klagt nie, bleibt leicht, egal wie viel ich hineinstopfe. Einmal klimpert es, dann raschelt etwas &#8211; als w&#252;rde der Beutel jedes Fundst&#252;ck kurz begr&#252;&#223;en, bevor er es verschluckt. </p><p>Solange er es nicht verdaut&#8230;</p><p>Ich bewege mich vorsichtig durch den Schatten der B&#228;ume. Der Waldboden federt unter meinen Stiefeln, irgendwo tropft Wasser, als w&#252;rde jemand geduldig mit einem Finger gegen Glas tippen. Ein feiner Wind hebt mir einen Haarstr&#228;hnenzipfel an, l&#228;sst ihn sacht &#252;ber meine Wange streichen.</p><p>In meinem Augenwinkel &#8211; eine Bewegung.</p><p>Mein Kopf dreht sich langsam, wie von selbst.</p><p>Ein Zwerg.</p><p>Nein &#8211; eine Zwergin.</p><p>Klein. Und &#8211; &#228;h&#8230;</p><p>Mein Blick bleibt einen Herzschlag zu lange h&#228;ngen. Mein Atem macht diesen kleinen, peinlichen H&#252;pfer, als h&#228;tte ich mich verschluckt.</p><p>Also tiefer schauen. Schnallenstiefel, dunkel, blank geputzt, die Schnallen fangen das Licht. Kein Umhang.</p><p>Aber diese Haare &#8211; als h&#228;tte der Wald selbst sie gek&#228;mmt, Str&#228;hne um Str&#228;hne, mit Fingerspitzen aus Wind. Dieser Blick &#8211; wie ein gerader Pfeil, durch mich hindurch, irgendwo hinter mir in einer unsichtbaren Zielscheibe verankert. Die Haltung &#8211; entspannt, und doch so, als k&#246;nnte sie mit einem einzigen Tritt eine Eichent&#252;r aus den Angeln heben.</p><p>Meine Finger krallen sich unwillk&#252;rlich um den Beutelriemen, als m&#252;sste ich mich festhalten.</p><p>Sie hat mich l&#228;ngst entdeckt.</p><p>Und sie l&#228;chelt.</p><p>Kommt auf mich zu, ohne Hast, aber mit dieser Selbstverst&#228;ndlichkeit, die keinen Raum f&#252;r Zweifel l&#228;sst. Die Abs&#228;tze ihrer Stiefel setzen weich auf, wie auf Samt. Ihre Schultern bleiben locker, w&#228;hrend sie den Blick fest auf mir h&#228;lt. Als w&#252;rde sie mich kennen. Als h&#228;tte sie mich immer schon gekannt. Als w&#228;re ich hier, nur damit sie auf mich zugehen kann.</p><p>Kinsa</p><p>Sein kantiges Gesicht neigt sich zu mir, so nah, dass ich die feinen Schattenkanten &#252;ber Wangenknochen und Stirn erkenne. Augen, die mich festhalten, als wollten sie etwas herauslesen.</p><p>Der Blick? Verlangend? Suchend?</p><p>Mein Magen zieht sich zusammen. Reflex: auf die Schuhspitzen starren. Doch bevor ich den Kopf senke, bleibe ich an etwas h&#228;ngen &#8211; an mir selbst.</p><p>Oh. Mein. Gott.</p><p>Das weite Oberteil h&#228;ngt schief, der Ausschnitt ist verrutscht. Stoffr&#228;nder, die keinen Halt mehr haben. K&#252;hle Luft legt sich auf Haut, die nicht f&#252;r Blicke gedacht war. Alles quillt, will sich in alle Richtungen befreien. Ich bin praktisch nackt.</p><p>Ich drehe mich zur Seite, panisch, hilflos, suche irgendeine Deckung. Doch dann ist seine Stimme da &#8211; melodisch, fast zu nah, als k&#246;nnte sie direkt unter meine Haut kriechen:</p><p>&#8222;Ich h&#228;tte hier ein wei&#223;es Hemd &#8230; vielleicht willst du &#8230;?&#8220;</p><p>Was f&#252;r eine Frage.</p><p>Ich greife zu, sp&#252;re den Stoff: weich, k&#252;hl, schwerer als erwartet. Ziehe es &#252;ber, stolpere in die &#196;rmel, ein kurzer Moment Blindheit unter dem Stoff. Dann f&#228;llt es, schlie&#223;t sich um mich wie Wasser um eine Hand.</p><p>Es sitzt.</p><p>Erstaunlich.</p><p>Perfekt.</p><p>Ich blicke ihn wieder an. L&#228;chle &#8211; klein, aber echt.</p><p>&#8222;Danke.&#8220;</p><p>&#8222;Kein Problem.&#8220; Seine Stimme hat jetzt etwas Leichtes, fast Verschw&#246;rerisches. &#8222;Wenn du magst, k&#246;nnen wir ein St&#252;ck zusammen gehen. Allerdings gehst du besser nicht vor mir. Ich hab dieses Ding hier &#8230;&#8220;</p><p>Er sch&#252;ttelt einen knorrigen Stab, der in seinen H&#228;nden lebt wie ein eigenwilliges Tier. Funken spr&#252;hen von der Spitze, huschen unkontrolliert in die Luft, gl&#252;hen auf, vergehen. &#8222;Noch nicht wirklich im Griff.&#8220;</p><p>&#8222;Gern.&#8220;</p><p>Ich hebe meinen Bogen, spanne probeweise, f&#252;hle das vertraute Gewicht. Wir setzen uns in Bewegung, Schulter an Schulter, ohne es zu planen.</p><p>Die ersten Tiere tauchen am Wegesrand auf &#8211; geduckt, lauernd. Er st&#246;&#223;t vor, der Stab zischt, Funken rei&#223;en wie kleine Risse in die Luft. Mein Pfeil fliegt, schl&#228;gt ein. Ein gutes Team. Irgendwie. Als h&#228;tten wir das schon hundert Mal gemacht.</p><p>Sami</p><p>Nett.</p><p>Niedlich. </p><p>Beinahe h&#228;tt ichs verbockt. Aber wer denkt denn mitten im Wald auch an &#8230;</p><p>Nein, ich bestimmt nicht.</p><p>Ab jetzt vielleicht schon. </p><p>Ich schiebe diese Gedanken ganz weit weg und konzentriere mich auf den Wald um mich herum und auf das Jagen und Sammeln und auf sie.</p><p>Sie scheint mich nicht komplett abzulehnen.</p><p>Ihre Blicke kommen wie heimliche Botschaften &#8211; immer wieder von der Seite, kurz, aber sp&#252;rbar. Ein fl&#252;chtiger Kontakt, der sich anf&#252;hlt wie ein Stein, der &#252;ber Wasser springt: kaum da, schon weiter.</p><p>Und dann &#8211; pl&#246;tzlich:</p><p>Ein Licht.</p><p>Mitten im schummrigen D&#228;mmer dieser Halle bricht es hervor, als h&#228;tte jemand den Himmel aufgesto&#223;en.</p><p>Ihr ganzer K&#246;rper beginnt zu leuchten &#8211;</p><p>klar, hell, als h&#228;tte jemand den Schalter f&#252;r die Sonne umgelegt. W&#228;rme str&#246;mt von ihr aus, l&#228;sst die Luft zwischen uns flirren, als w&#252;rde selbst der Staub tanzen.</p><p>Sie dreht sich nicht um.</p><p>Sie sagt nichts.</p><p>Nur noch dieses Nachbild, das in meinen Augen h&#228;ngt, w&#228;hrend sie verschwindet &#8211; und der Platz, den sie eben noch eingenommen hat, wirkt jetzt gr&#246;&#223;er und leerer, als er je war.</p><h3>Folge 12</h3><p>Kinsa</p><p>Er ist weg.</p><p>Einfach so. Verschwunden wie ein Glitch, der sich in Luft aufl&#246;st.</p><p>Ich drehe mich einmal im Kreis, als k&#246;nnte er pl&#246;tzlich wieder da stehen.</p><p>Dann gehe ich den ganzen Weg zur&#252;ck. Schritt f&#252;r Schritt, als w&#252;rde jeder Halm auf dem Boden mich auslachen.</p><p>Bis zum H&#228;ndler.</p><p>&#220;ber ihm flimmert das Licht, als h&#228;tte jemand ein &#8222;Quest erf&#252;llt&#8220;-Schild in den Himmel genagelt.</p><p>&#8222;Du hast Erfahrungspunkte gesammelt und bist eine Stufe aufgestiegen.</p><p>Bitte gehe zu deinem Lehrer.&#8220;</p><p>Ach so.</p><p>Okay.</p><p>Also gleich los. Keine Zeit zum Tr&#246;deln. Der Lehrer steht schon bereit &#8211; wie bestellt. Nat&#252;rlich.</p><p>Er dr&#252;ckt mir Zettel in die Hand, zu viele, um sie gleich zu lesen.</p><p>&#8222;Steck sie in deinen Beutel, dann wei&#223;t du hinterher, wie man Farben mischt&#8220;, sagt er, als w&#228;re das das Normalste der Welt.</p><p>Ich schaue auf die d&#252;nnen Papierstreifen.</p><p>Kein Farbklecks zu sehen. </p><p>Noch nicht?</p><p>Sami</p><p>Sie taucht nicht wieder auf.</p><p>Schade. Irgendwie.</p><p>Ich gehe weiter.</p><p>Der Pfad ist weich, Moos federt jeden Schritt ab, irgendwo knackt ein Ast.</p><p>Ein paar Wildschweine traben durchs Unterholz.</p><p>Eins bleibt kurz stehen, sieht mich an, als pr&#252;fe es meinen Queststatus, und verschwindet dann mit einem Grunzen.</p><p>Komisch &#8211; es f&#228;llt mir fast leicht.</p><p>Fast so, als h&#228;tte mir jemand heimlich den &#8222;Einfach&#8220;-Schalter umgelegt.</p><p>Am Anfang musste ich meinen Stab gef&#252;hlt vierunddrei&#223;ig Mal schwingen, um auch nur einen dieser gr&#252;nen Schleimer zu treffen.</p><p>Jetzt reicht einmal.</p><p>Zack &#8211; erledigt.</p><p>Kann es sein, dass mein Skill steigt?</p><p>[Skill: Stabschwingen +2]</p><p>[Neuer Perk freigeschaltet: &#8222;Einmal reicht&#8220;]</p><p>Vermutlich muss ich zu so etwas wie einem Lehrer.</p><p>Oder Mentor.</p><p>Oder... Level-Typ?</p><p>Ich gehe ins Dorf zur&#252;ck.</p><p>Zwischen den B&#228;umen blinzeln D&#228;cher hervor, Rauch zieht in d&#252;nnen Schwaden in den Himmel, und irgendwo h&#228;mmert jemand an einem Fass.</p><p>Vielleicht gibt es Wegweiser.</p><p>Oder jemanden, den man fragen kann.</p><p>Oder wenigstens einen, der so tut, als w&#252;sste er es.</p><p>Kinsa</p><p>Der Weg wird breiter.</p><p>Der Staub legt sich wie ein Film auf meine Stiefel.</p><p>Die Vegetation kippt &#8211; weniger B&#228;ume, mehr flache B&#252;sche, die im Wind rascheln, als w&#252;ssten sie, dass hier nichts Schatten spendet.</p><p>Zwei Wegweiser: schief, sch&#228;big, beschriftet mit etwas, das einmal Buchstaben gewesen sein k&#246;nnte.</p><p>Links: ein H&#228;ndler unter einem schiefen Dach, die Plane flattert, als wolle sie abhauen.</p><p>Rechts: ein Stall. Ein m&#252;des Wiehern, dumpf gegen die Wand.</p><p>Vor mir eine offene Fl&#228;che.</p><p>Trocken. Atmend. Erwartend.</p><p>Drei Geb&#228;ude, lose um eine Feuerstelle gew&#252;rfelt. &#220;ber ihr h&#228;ngt ein Topf, aus dem es riecht, als h&#228;tte jemand vergessen, den Deckel abzunehmen.</p><p>Ein Schild flackert, Schrift flimmert wie eine kaputte Erinnerung:</p><p>&#8222;[Aushang] Suche Heilerin, 2x Tank, Raid-Rest sp&#228;ter.&#8220;</p><p>Ich bleibe stehen.</p><p>Das ist nicht das Dorf. Aber auch keine Stadt.</p><p>Es ist &#8230; eine Pause in Stein.</p><p>Spieler laufen vorbei.</p><p>Einer auf einem Reittier, das mehr R&#252;stung als Fleisch hat.</p><p>Einer mit drei Haustieren &#8211; alle in genau derselben Fellfarbe.</p><p>Einer dreht sich seit Minuten im Kreis. Vielleicht aus Langeweile. Vielleicht aus Protest.</p><p>Ein kurzer Zuck in der Linse. Neue Fenster blenden ein.</p><p>Oben rechts: Karte &#8211; erweitert. Die Dorfgrenze nur noch ein Kringel, weit links unten.</p><p>Unten links: der &#246;ffentliche Chat. Blinkt, als wolle er mir was ins Ohr fl&#252;stern.</p><p>[&#214;ffentlich] &#8222;Gruppe f&#252;r Mini-Instanz? Healer fehlt noch.&#8220;</p><p>[&#214;ffentlich] &#8222;Wo zur H&#246;lle ist der Lederer??&#8220;</p><p>[&#214;ffentlich] &#8222;LOL jemand hat nen B&#228;r gestohlen &#128514;&#8220;</p><p>[System] Neuer Bereich freigeschaltet: Kupferfeldposten</p><p>[Spieler 2] Suche die Zwergin mit meinem Hemd.</p><p></p><p></p><div><hr></div><p><em>Dies ist das Ende der ersten Staffel der seriellen Geschichte FutureZone.</em></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://targya.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Staffel 1, Teil 2 [FutureZone]]]></title><description><![CDATA[Folge 5]]></description><link>https://targya.substack.com/p/staffel-1-teil-2-futurezone</link><guid isPermaLink="false">https://targya.substack.com/p/staffel-1-teil-2-futurezone</guid><pubDate>Wed, 25 Mar 2026 23:00:17 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ktZS!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4efcf844-bdc6-4943-8ac3-87445fd2623c_512x512.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<h3>Folge 5</h3><p>Kinsa</p><p>Ich stehe.</p><p>Ich staune.</p><p>Ich f&#252;hle.</p><p>Ich h&#246;re auch &#8211; aber eher am Rand, wie durch ein nasses Tuch gefiltert.</p><p>&#8222;Wir werden euch jetzt trennen.</p><p>Keine Sorge &#8230; ihr bleibt, wo ihr seid.</p><p>Wirklich.</p><p>Ihr seid safe.</p><p>Aber jeder bekommt nun seinen eigenen kleinen Raum.&#8220;</p><p>&#8222;Jedes Spielerlebnis ist anders.</p><p>Wir generieren es individuell f&#252;r euch.</p><p>Wir wollen ja nicht, dass Langeweile aufkommt.&#8220;</p><p>&#8222;Eure Sensoren verraten uns, wie ihr euch f&#252;hlt.</p><p>Macht euch keine Sorgen.</p><p>Es kann euch nichts passieren.</p><p>Wir passen die ganze Zeit auf euch auf.&#8220;</p><p>Mein Blick verschwimmt.</p><p>Pl&#246;tzlich. Ohne &#220;bergang.</p><p>Als h&#228;tte jemand einen Schalter umgelegt.</p><p>Ich reibe mir das Auge.</p><p>Nicht virtuell.</p><p>Meine Hand reibt mein Auge.</p><p>Ich sp&#252;re die Fingerkuppen, den sanften Druck auf der Haut, den feuchten Film, der sich in der Lidfalte sammelt.</p><p>Ich ertaste den kleinen Gnubbel aus Knorpel, dicht an der Nasenwurzel.</p><p>Blinzeln.</p><p>Selbst das sp&#252;re ich.</p><p>Dann &#8211;</p><p>alles wird Pink.</p><p>Nicht warm. Nicht zart.</p><p>Kein Pastell.</p><p>Ein Farbknall.</p><p>Grell wie Bonbonpapier unter Neonlicht.</p><p>Barbie-Pink, schrill, fast beleidigend f&#252;r die Augen.</p><p>Ohne Vorwarnung.</p><p>Ich trete unwillk&#252;rlich einen Schritt zur&#252;ck.</p><p>Ich bin allein.</p><p>Und ich bin nicht mehr im leeren Raum.</p><p>Ich stehe in einem gekachelten Saal.</p><p>Boden, Decke, W&#228;nde &#8211; alles Pink.</p><p>Nicht flauschig. Nicht ironisch. Einfach radikal.</p><p>Der Boden ist glatt, hart, makellos verfugt.</p><p>Das Licht ist zu hell, als ob es aus jeder Fuge quillt.</p><p>Nur dass es keine Fuge gibt.</p><p>Kein Schatten, nirgends.</p><p>An der Wand &#8211; ein etwas hellerer rechteckiger Fleck. Etwas gr&#246;&#223;er als ich.</p><p>Eingelassen.</p><p>Gl&#228;nzende Oberfl&#228;che, spiegelnd, fast weiss.</p><p>Ein Panel? Ein Bildschirm? Eine Attrappe?</p><p>Ich wei&#223; nicht, ob ich neugierig genug bin.</p><p>Und dann:</p><p>Eine M&#228;nnerstimme.</p><div><hr></div><p><em>Weiterlesen: Dieser Teil ist f&#252;r Abonnent:innen.</em></p><div class="paywall-jump" data-component-name="PaywallToDOM"></div><p>Sami</p><p>Die anderen sind weg.</p><p>Einfach verschwunden.</p><p>Nur noch ich.</p><p>Ich stehe allein.</p><p>Auf einem H&#252;gel.</p><p>Kein echter H&#252;gel &#8211; ein H&#252;gel aus Legesteinchen.</p><p>Flache, rechteckige T&#228;felchen.</p><p>Wie bei&#8230;?</p><p>Glatt poliert, aber mit winzigen Kerben an den Kanten.</p><p>Sie klacken leise gegeneinander, wenn ich mich bewege.</p><p>Ein warmer Kunststoffgeruch h&#228;ngt in der Luft, vermischt mit dem trockenen Staub, der in den Fugen sitzt.</p><p>F&#252;r einen Moment meine ich, einen winzigen Funken W&#228;rme unter den Sohlen zu sp&#252;ren &#8211; als h&#228;tte das Feld kurz reagiert.</p><p>Soweit das Auge reicht: ein Meer aus verschachtelten Mustern, Farbfeldern, kleinen Symbolen.</p><p>Bunt, aber nicht wahllos &#8211; als h&#228;tte jemand ein gigantisches Spielfeld in die Landschaft gegossen.</p><p>T&#252;rme aus gestapelten Steinen bilden Vorspr&#252;nge, flache Reihen ziehen sich wie Stra&#223;en dazwischen.</p><p>Irgendwo weit entfernt klackt etwas, als h&#228;tte ein Stein sich gel&#246;st und w&#228;re eine Stufe tiefer gefallen.</p><p>Ein Echo breitet sich in kurzen Pulsen aus, wie Morsezeichen, deren Bedeutung ich nicht kenne.</p><p>Ich blicke hinunter.</p><p>Jedes T&#228;felchen tr&#228;gt ein Zeichen, ein Bild oder ein Symbol.</p><p>Manche sehe an zwei Stellen, andere h&#228;ufiger.</p><p>Ein goldener Kreis mit winzig eingravierten Strichen taucht immer wieder auf.</p><p>Eine Spirale, die sich beim Hinsehen leicht zu bewegen scheint.</p><p>Und einmal &#8211; nur kurz &#8211; ein leeres, v&#246;llig wei&#223;es T&#228;felchen, das verschwindet, als ich blinzle.</p><p>Mahjongg-Motive.</p><p>Das ist es!</p><p>Definitiv nicht mein Lieblingsspiel &#8211; aber die Regeln kenne ich.</p><p>Glaub ich.</p><p>Ich setze den Fu&#223; auf ein Feld mit einem blauen Kringel.</p><p>Ich habe das Gef&#252;hl, den Tritt durch meine Sohle hin durchzusp&#252;ren.</p><p>Es f&#252;hlt sich k&#252;hl an. </p><p>Metallplastik?</p><p>Nichts passiert.</p><p>Kein Ton, kein Blinken &#8211; nur das ferne, kaum wahrnehmbare Rauschen, als w&#252;rde der H&#252;gel selbst atmen.</p><p>Ich h&#252;pfe leicht.</p><p>Der Stein unter mir vibriert, als h&#228;tte er tief innen ein kleines Herz, das jetzt zu schlagen beginnt.</p><p>Ein leises Summen, dann ein schwaches hellblaues Leuchten, das an den R&#228;ndern pulsiert.</p><p>Okay &#8211; cool.</p><p>Ich gehe weiter.</p><p>Trete auf die Blume neben mir &#8211; glatt, mit winziger Gravur.</p><p>Noch ein Schritt &#8211; wieder ein blauer Kringel.</p><p>Von irgendwo her huscht ein winziges Schattenmuster &#252;ber die Fl&#228;che, verschwindet, bevor ich es einordnen kann.</p><p>Ganz leise, wie durch eine Wand, h&#246;re ich etwas, das wie entferntes Fl&#252;stern klingt.</p><p>Ich h&#252;pfe.</p><p>Mit einem Zischen l&#246;st sich der Stein unter meinen F&#252;&#223;en auf.</p><p>Nicht zerbrochen, nicht weggefallen &#8211; einfach verschwunden, als h&#228;tte jemand ihn ausradiert.</p><p>Ich sinke merkbar aber gepolstert nach unten, getragen wie auf einer unsichtbaren, schnell getakteten Plattform.</p><p>Nun stehe ich auf Gr&#252;n, mit einem durchgestrichenen Trapez.</p><p>Die Farbe schimmert matt, als w&#228;re sie auf Glas gemalt.</p><p>Ein leises Plopp ert&#246;nt, irgendwo am Rand &#8211; als w&#252;rde ein weiteres Feld aktiv.</p><p>F&#252;r den Bruchteil einer Sekunde scheint das Symbol unter meinen F&#252;&#223;en heller zu leuchten, als w&#228;re es gesehen worden.</p><p>Keine Ahnung, was das bedeutet &#8211; aber mein Herz schl&#228;gt schneller.</p><p>Wie cool ist das denn.</p><p>Kinsa</p><p>&#8222;Hilfe, hierher! Hier dr&#252;ben!&#8220;</p><p>Die Stimme klingt nicht ver&#228;ngstigt.</p><p>Kein Zittern, kein Dr&#228;ngen.</p><p>Mehr wie ein Soundclip aus dem Micky-Maus-Wunderhaus &#8211; zu freundlich, zu hell, fast singend.</p><p>Das Panel verliert an Farbe schimmert, wird durchsichtig zu einem gl&#228;serner Kasten.</p><p>Kalt gl&#228;nzend, mit feinen Kratzspuren auf der Oberfl&#228;che.</p><p>Darin h&#252;pft ein kleiner, rundlicher Mann.</p><p>Mantel wie aus Samt, dunkelrot, leicht abgewetzt.</p><p>Die Krone schief, golden, als w&#228;re sie zu gro&#223; f&#252;r seinen Kopf.</p><p>Er winkt, springt, winkt wieder &#8211; als k&#246;nne er mich aus der Distanz ber&#252;hren.</p><p>Sein Blick bleibt an mir h&#228;ngen, als w&#252;rde er mich scannen.</p><p>Pl&#246;tzlich gleitet ein Schuber &#252;ber ihm auf.</p><p>Mit einem sanften Klack.</p><p>Und: Bonbons.</p><p>Bunte Lutscher. Gerollte Lakritzschnecken. Weiche Marshmallows.</p><p>Alles purzelt herab, prasselt auf die Glasdecke.</p><p>Ein zuckriger Regen.</p><p>Die Decke federt leicht nach, knarzt wie gespanntes Plastik.</p><p>Der K&#246;nig schaut zwischen mir und der Glasdecke hin und her.</p><p>Verzweifelt? Nein.</p><p>Eher ... erwartungsvoll.</p><p>Als w&#252;rde er wissen, was jetzt zu tun ist &#8211; und ich nur den Startschuss geben muss.</p><p>Links in der Wand &#246;ffnet sich ein weiteres Panel.</p><p>Kein Schreckmoment, eher ein D&#233;j&#224;-vu.</p><p>Das Ger&#228;usch kenne ich &#8211; wie aus einer alten App, die man im Schlaf bedienen kann.</p><p>Ich sehe:</p><p>Kreise, Ovale, Sterne.</p><p>Ordentlich in Quadrate gesetzt, nebeneinander.</p><p>Bunt. Leuchtend. Mit leichtem Schimmern.</p><p>Kinderspiel? R&#228;tsel? Oder beides?</p><p>Der K&#246;nig klopft gegen die Scheibe.</p><p>Ein dumpfer, hohler Ton.</p><p>&#8222;Hilf mir, bitte!&#8220;</p><p>Er deutet auf die K&#228;stchenreihen, tippt mit dem Finger dagegen.</p><p>Dr&#228;ngend. Immer wieder.</p><p>Ich trete n&#228;her.</p><p>Der Boden federt minimal unter meinen Schritten.</p><p>Ber&#252;hre ein gr&#252;nes, gl&#228;nzendes Dreieck.</p><p>K&#252;hl und glatt unter meinen Fingerspitzen.</p><p>Es gibt nach, dann ein leichter Widerstand.</p><p>Ein sanftes Vibrieren, ein leiser &#8222;Fling&#8220;-Ton.</p><p>Das Dreieck l&#246;st sich &#8211;</p><p>zwei Nachbarsteine folgen, brechen in funkelnden Staub auseinander.</p><p>Die Stelle darunter blinkt kurz auf, als w&#252;rde das Spielfeld meinen Zug quittieren.</p><p>Ich blicke zum K&#246;nig.</p><p>Er nickt eifrig, die Krone wippt.</p><p>Dann greife ich nach dem gelben Diamanten.</p><h3>Folge 6</h3><p>Spieler von Sitz 3</p><p>Ich stehe neben einem Erdh&#252;gel.</p><p>Erde.</p><p>Feucht, dunkel, schwer.</p><p>Sie riecht nach Regen, nach zerfallenen Bl&#228;ttern, nach etwas, das lange unter der Oberfl&#228;che geschlafen hat. Die Luft ist k&#252;hl, fast klamm, und h&#228;ngt wie ein feuchtes Tuch um meine Schultern.</p><p>Ringsum: braune W&#228;nde, fest wie Beton. &#220;ber mir: ebenfalls braun. Kein Himmel, nur ein geschlossenes Dach aus verdichteter Erde.</p><p>Himmel?</p><p>Vielleicht irgendwo da drau&#223;en, mindestens blau &#8211; aber hier klingt nichts nach Himmel.</p><p>Eher nach Zimmer. Ein dumpfer Hall sammelt jedes meiner Atemger&#228;usche ein und wirft sie weich zur&#252;ck. Kein Wind, kein Rascheln.</p><p>Vor mir, auf H&#252;fth&#246;he, schwebt ein Panel.</p><p>Darauf: ein handtellergro&#223;er Schalter, gl&#228;nzend, als w&#228;re er frisch poliert.</p><p>Ich hebe die Hand, z&#246;gere.</p><p>Tippe dann mit der Fingerspitze darauf.</p><p>Die Erde neben mir bebt &#8211; kaum sichtbar, nur sp&#252;rbar in den Knien &#8211;</p><p>und auf der Spitze des H&#252;gels klettert ein kleines rotes Strichm&#228;nnchen hervor.</p><p>Es tut nichts.</p><p>Steht einfach da, starr wie eine Figur im Schaufenster.</p><p>Ich dr&#252;cke erneut.</p><p>Das Strichm&#228;nnchen macht einen Schritt vor.</p><p>Ein weiteres taucht auf, ruckartig, wie aus einem unsichtbaren Schlitz gedr&#228;ngt.</p><p>Ich klicke.</p><p>Und klicke.</p><p>Die M&#228;nnchen reihen sich zu einer Kette, wackelnd, schwankend.</p><p>Immer wieder ein neues, bis sich der rote Strang den H&#252;gel hinab und direkt an die Wand schiebt.</p><p>Die Wand klappt zur Seite.</p><p>Ein Ruck in der Stille &#8211; Weg frei.</p><p>Auf dem n&#228;chsten H&#252;gel: eine blaue Figurenlinie.</p><p>Rot trifft auf Blau.</p><p>Ein kurzes Zucken, ein Gerangel, als w&#252;rden zwei Str&#246;me gegeneinander dr&#252;cken.</p><p>Ich dr&#252;cke gerade ein weiteres rotes Fig&#252;rchen heraus, als das blaue verschwindet.</p><p>Meine Kette gewinnt Boden.</p><p>Ich klicke schneller.</p><p>Sp&#252;re, wie mein Zeigefinger warm wird vom st&#228;ndigen Druck, sehe, wie sich mein Strom von Figuren den n&#228;chsten H&#252;gel hinaufschiebt.</p><p>Pl&#246;tzlich &#8211;</p><p>Zur Rechten klappt eine weitere Wand auf.</p><p>Dahinter quillt eine gelbe Kette hervor.</p><p>Schneller, flie&#223;ender. Und genau im richtigen Winkel, um meine rote Linie zu schneiden.</p><p>Ich blicke zur Seite.</p><p>Die Spielerin eben noch zwei Pl&#228;tze weiter links gesessen hat &#8211; puterrot im Gesicht. Sie h&#228;mmert wie besessen auf einen Stab mit Taste, direkt vor ihrem Bauch. Jeder Schlag l&#228;sst ihre Schultern zucken.</p><p>Ich lache, kurz und heiser &#8211;</p><p>und verdopple meine Anstrengung.</p><p>Wollen wir doch mal sehen,</p><p>wer am Ende &#252;brig bleibt.</p><p>#FutureZone25 &#8211; Halle 3 &#8211; Gamecube Beta. Carecenter</p><p>D&#228;mpfungsmatten an den W&#228;nden, mattgrau, verschlucken jedes Echo.</p><p>Indirektes Licht, warmwei&#223;, sickert aus schmalen Fugen in der Decke.</p><p>Kein Ger&#228;usch dringt von der FutureZone herein &#8211; keine Rufe, kein metallisches Klirren.</p><p>Nur das tiefe Summen der Ger&#228;te, nur der stete Fluss von Daten.</p><p>Vier Crewmitglieder sitzen an halbkreisf&#246;rmigen Pulten.</p><p>Die Oberfl&#228;chen sind glatt, fast k&#252;hl, besetzt mit Tastfeldern und Anzeigen.</p><p>Vor ihnen: Monitore &#8211; ein Raster aus Signalkurven, pulsierenden Zahlen, winzigen Symbolen, die nur Eingeweihte lesen k&#246;nnen.</p><p>Bewegungssensoren. Pulsanzeigen. Temperaturkurven.</p><p>Jede:r Spieler:in hat eine eigene Spalte, in Echtzeit nachgef&#252;hrt.</p><p>&#8222;Sitz 1, leicht erh&#246;ht. Atemfrequenz &#252;ber Normbereich.&#8220;</p><p>Ein kurzer Blick zur Anzeige, dann zueinander.</p><p>&#8222;Visier sitzt korrekt. Alles stabil.&#8220;</p><p>&#8222;Sie schwitzt nur.&#8220;</p><p>&#8222;Ist engagiert.&#8220;</p><p>Ein kurzes Lachen, ged&#228;mpft, fast tonlos.</p><p>Routine.</p><p>Wettkampfmodus. Klassiker.</p><p>Sitz 3, Sitz 5 &#8211;</p><p>synchronisierte Handbewegungen, laut Monitor mit zunehmender Frequenz.</p><p>Kein Grund zur Sorge.</p><p>Das System regelt mit, dosiert Belastung und Reiz.</p><p>&#8222;Wir haben gute Werte diesmal.&#8220;</p><p>&#8222;Das neue Feedback-Delay macht sich bezahlt.&#8220;</p><p>&#8222;Nervenresonanz bei Sitz 1 fast deckungsgleich mit den Erfahrungswerten aus Beta2.&#8220;</p><p>&#8222;Sehr stabil.&#8220;</p><p>Ein Nicken, ein leises Schaben eines Stuhls.</p><p>Im hinteren Bereich: ein dritter Tisch.</p><p>Zwei Personen mit Headsets, die Kabel spiralf&#246;rmig, wie eingefrorene Wellen.</p><p>Ihre Augen sind nicht auf Zahlen gerichtet, sondern auf Bilder.</p><p>Thermokameras. Gesichtstracking.</p><p>K&#246;rperspannung, Haltung, Mikroreaktionen, in farbigen Konturen aufgezeichnet.</p><p>Ein Finger tippt gegen den Screen.</p><p>&#8222;K&#246;nnte Seitenstechen sein &#8211; Sitz 6 zieht leicht die Schulter hoch.&#8220;</p><p>&#8222;Notieren. Aber keine Intervention.&#8220;</p><p>&#8222;Das Spiel balanciert selbst.&#8220;</p><p>&#8222;Keine manuelle Korrektur.&#8220;</p><p>Der Raum bleibt still.</p><p>Nur die Anzeigen bewegen sich.</p><p>Ein leises Piepen, wenn ein Wert den Schwellenbereich streift.</p><p>Kein Husten. Kein R&#228;uspern. Nur Zahlen.</p><p>Drau&#223;en bewegen sich die Spieler:innen kaum.</p><p>Aber in ihren K&#246;pfen arbeiten sie &#8211; mit voller Last..</p><p>Spieler von Sitz 5</p><p>Es war mir fast peinlich &#8211; die Sache mit dem Koppeln.</p><p>Alle um mich herum wirkten, als w&#228;ren sie daf&#252;r geboren: Fingerspitzen tanzten &#252;ber unsichtbare Men&#252;s, K&#246;pfe neigten sich im richtigen Moment, K&#246;rper bewegten sich wie nach einer stillen Choreografie.</p><p>Meine Gesten dagegen &#8211; z&#246;gerlich, suchend, wie bei meinem allerersten VHS-Recorder.</p><p>Der, bei dem ich eine halbe Stunde lang nicht wusste, wie man die Uhr stellt.</p><p>&#8222;Bluetooth&#8220;, sagte jemand in einem Ton, der zwischen beil&#228;ufig und bedeutungsschwer lag.</p><p>Ein Nicken von ihnen, ein Nicken von mir.</p><p>Geduldige Unterst&#252;tzung.</p><p>Trainierte Beil&#228;ufigkeit.</p><p>Und jetzt bin ich hier.</p><p>In einem Garten</p><p>Nicht in irgendeinem Garten. </p><p>In einem, der einen Hauch zu perfekt ist, um echt zu sein, aber eben auch genau richtig, um perfekt zu sein..</p><p>Vor mir ein Beet voller gelber Rosen, Sorte Poet&#8217;s Wife, die Bl&#252;ten ge&#246;ffnet wie kleine Sonnenscheiben, jede einzelne voll bis in die Mitte.</p><p>Der Duft h&#228;ngt schwer in der Luft, als h&#228;tte jemand die Zeit angehalten, nur um diesen Moment zu konservieren.</p><p>Daneben Primeln. Auch gelb.</p><p>H&#252;bsch, ja &#8211; aber wer hat den Gartne gebaut? </p><p>Eine Generation, die glaubt, alles k&#246;nne gleichzeitig bl&#252;hen, m&#252;sste man botanisch mal sanft, aber bestimmt korrigieren.</p><p>Trotzdem: ein Bild, das bleibt.</p><p>Ich atme tiefer ein.</p><p>Die W&#228;rme auf meiner Haut, der Geruch der Rosen, ein Hauch feuchter Erde &#8211; alles wirkt echt.</p><p>Ich hatte damit gerechnet, dass mein Magen rebellieren w&#252;rde, oder dass der Ischias mich an diese ganze Spielerei erinnern w&#252;rde.</p><p>Aber nichts davon passiert.</p><p>Nur ein leises Rascheln &#8211; wie Bl&#228;tter im Wind.</p><p>Doch kein Wind.</p><p>&#8222;Willkommen im Entdeckungsmodus.&#8220;</p><p>Die Stimme kommt von &#252;berall und nirgends.</p><p>Glatt, warm, wie ein auswendig gelernter Satz.</p><p>&#8222;Sie k&#246;nnen sich umsehen, indem Sie die Blickrichtung mit Augen oder H&#228;nden justieren.</p><p>Sie k&#246;nnen Objekte markieren, antippen &#8211; und, falls m&#246;glich, &#246;ffnen, lesen oder benutzen.&#8220;</p><p>Ein winziger Moment Pause.</p><p>&#8222;Probieren Sie es doch am Briefkasten.&#8220;</p><p>Ich drehe mich &#8211; zu schnell.</p><p>Der Blick springt: Himmel, Wolke, dann Rasen.</p><p>Ein leichtes Schwanken, als h&#228;tte ich kurz die Schwerkraft verloren.</p><p>&#8222;Langsamer&#8220;, murmele ich. Zu mir selbst? Zur Stimme? Ich wei&#223; es nicht.</p><p>Und dann sehe ich ihn.</p><p>Einen Briefkasten, wie er in einer altmodischen Vorstadtstra&#223;e stehen k&#246;nnte: rot lackiert, goldener Knauf, ein Hauch von Patina an den Kanten.</p><p>Ich fixiere ihn, sehe den kleinen Punkt vor meinem Blick auftauchen.</p><p>Meine Hand hebt sich, Fingerkuppe streift das kalte Metall &#8211; und der Kasten &#246;ffnet sich, als h&#228;tte er nur darauf gewartet.</p><p>Ein Brief liegt darin.</p><p>Schweres Papier, ein Siegel in tiefem Rot.</p><p>Fast, als h&#228;tte jemand Wert darauf gelegt, dass er nicht nur gelesen, sondern auch gef&#252;hlt werden muss.</p><p>&#8222;Sie haben ein Objekt gefunden.</p><p>Es wurde Ihrem Inventar hinzugef&#252;gt.</p><p>Sie k&#246;nnen es jederzeit aufrufen, indem Sie nach unten schauen und die rechte Hand heben.&#8220;</p><p>Ich probiere es.</p><p>Nicht elegant &#8211; meine Hand ruckt etwas zu hoch &#8211; aber es funktioniert.</p><p>Vor mir schwebt ein Fenster, darin der Brief, reglos, als h&#228;tte er die Zeit vergessen.</p><p>&#8222;Sehr gut.</p><p>Sie k&#246;nnen sich in diesem Modus frei umsehen.</p><p>Es gibt nichts zu gewinnen.</p><p>Nur zu entdecken.&#8220;</p><p>Ich bleibe noch einen Moment stehen.</p><p>Der Brunnen pl&#228;tschert leise.</p><p>Das Wasser f&#228;llt in einem gleichm&#228;&#223;igen Rhythmus, der fast hypnotisch ist.</p><p>Am Ende des Kieswegs eine T&#252;r, nur einen Spalt ge&#246;ffnet, als h&#228;tte jemand sie eben erst verlassen.</p><p>Ich gehe darauf zu.</p><p>Nicht mit einer Steuerung, nicht durch Knopfdruck &#8211; einfach so.</p><p>Ein Schritt, dann der n&#228;chste.</p><p>Der Kies knirscht unter meinen Sohlen, jeder Schritt hinterl&#228;sst ein feines, dumpfes Echo.</p><p>Die T&#252;r klemmt.</p><p>Ich lege die Hand an, dr&#252;cke.</p><p>Nichts.</p><p>Ich ziehe, sp&#252;re den Widerstand, lasse wieder los.</p><p>&#8222;T&#252;ren lassen sich durch Gesten oder Aufmerksamkeit &#246;ffnen.</p><p>Manchmal gen&#252;gt es, stehen zu bleiben.&#8220;</p><p>Ich verharre.</p><p>H&#246;re meinen eigenen Atem, h&#246;re irgendwo &#252;ber mir einen Zweig knacken.</p><p>Ein Klicken, so leise, dass es beinahe ein Einbildung sein k&#246;nnte.</p><p>Die T&#252;r gibt nach, schwingt auf.</p><p>Dahinter: ein schmaler Pfad, &#252;bers&#228;t mit trockenen Bl&#228;ttern, die in der Stille rascheln.</p><p>Der Weg f&#228;llt sanft ab.</p><p>Ein Vogel ruft &#8211; oder etwas, das sehr genau wei&#223;, wie ein Vogel klingen muss.</p><p>Ich setze den Fu&#223; auf den Pfad.</p><p>Gehe weiter.</p><p>Ich sehe eine Bank.</p><p>Ein perfektes Ziel in einem perfekten Garten.</p><p>Ich gehe los.</p><p>#FutureZone25 &#8211; Halle 3 &#8211; Gamecube Beta. Carecenter</p><p>Noch immer dieselben Anzeigen.</p><p>Noch immer dieselben, winzigen Bewegungen.</p><p>Die Monitore im Kontrollraum atmen ihr eigenes, kaltes Licht.</p><p>Muster flie&#223;en, Kurven beben, Farben wechseln in ged&#228;mpftem Rhythmus.</p><p>Sitz 2 &#8211; leichtes Muskelzittern, kaum sichtbar.</p><p>Sitz 5 &#8211; ruhige Brustbewegung, stabile Atmung, volle Konzentration.</p><p>Sitz 7 &#8211; eine Spur verz&#246;gert, Latenz noch im Normbereich.</p><p>&#8222;Alles im gr&#252;nen Bereich.&#8220;</p><p>&#8222;System l&#228;uft sauber.&#8220;</p><p>&#8222;Kein Eingreifen notwendig.&#8220;</p><p>Der Blick wandert &#252;ber die sieben Sitze im Spielbereich:</p><p>K&#246;rper, die wie aus Stein wirken.</p><p>Nur Augenlider und Finger verraten, dass hier noch Leben pulst.</p><p>Kein Ton, nur das leise, best&#228;ndige Summen der Sitzmodule,</p><p>wie eine entfernte Maschine unter Wasser.</p><p>Keine Stimmen mehr.</p><p>Keine Frage nach Hilfe.</p><p>Die Displays dimmen sich sanft,</p><p>als h&#228;tten sie beschlossen, mitzuatmen.</p><p>Beobachtung l&#228;uft weiter,</p><p>doch das Jetzt hat jede Dringlichkeit verloren.</p><p>Die Crew schweigt.</p><p>Blicke verharren auf Bildschirmen,</p><p>die Bewegungen darin langsamer, gleichf&#246;rmiger.</p><p>Und drau&#223;en, hinter all dem Glas und Metall,</p><p>scheint auch die Welt zu verstummen.</p><p>Der Bildschirm vorne rechts klickt sanft.</p><p>Das Bild wechselt, zeigt langsam aufblinkende Zahlen.</p><p>&#8222;Bereit machen: Wir wechseln in Phase 2&#8220;</p><h3>Folge 7</h3><p>Kinsa</p><p>Wish.</p><p>Mit einem letzten, metallisch zischenden Atemzug verschwindet die letzte Reihe der glitzernden, bunten Steine, als h&#228;tte sie nie existiert.</p><p>Neben dem Glask&#228;fig ruckt ein Fallgitter nach unten, die Luft knallt kurz dagegen &#8211; und die ganze Ladung S&#252;&#223;igkeiten purzelt scheppernd hinein.</p><p>Sie wirbeln, sto&#223;en aneinander, rollen in die Tiefe, als w&#228;ren sie selbst &#252;berrascht, pl&#246;tzlich frei zu sein.</p><p>Der K&#246;nig beugt sich noch einmal zur Scheibe, klopft leicht mit den Kn&#246;cheln, so wie man ein Geheimnis anklopft.</p><p>Ein L&#228;cheln huscht &#252;ber sein Gesicht, kurz und spitz wie ein Blitz &#8211; und dann ist einfach weg. Kein Ger&#228;usch, kein Funkeln, nichts. </p><p>Ebenso wie der Glaskasten.</p><p>Die Wand ist wieder glatt wie zuvor.</p><p>Dann rollt ein Flirren durch den Raum.</p><p>Die eben noch glatte, pinke Wand beginnt zu beben. Kanten l&#246;sen sich, St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck.</p><p>Kacheln springen wie &#252;berm&#252;tige Spielsteine durch die Luft.</p><p>Ein kleines, blaues B&#228;llchen schie&#223;t an meinem Ohr vorbei, ich ducke mich instinktiv, h&#246;re sein sirrendes Surren.</p><p>Hinter den W&#228;nden flirrt die Luft.</p><p>Erst nur ein milchiges Zittern, dann verdichtet sich die Unsch&#228;rfe zu festen Fl&#228;chen: Holz, hell, get&#228;felt, so glatt, dass das Licht daran entlanggleitet.</p><p>In Zeitraffer w&#228;chst ein Raum um mich herum, als w&#252;rde jemand die Kulisse einer neuen Welt zusammenstecken.</p><p>Unter meinen F&#252;&#223;en ver&#228;ndert sich der Boden.</p><p>Das Pink gl&#228;nzt noch einen Atemzug lang, dann sinke ich leicht ein &#8211; ein weicher, cremefarbener Teppich schmiegt sich an meine Schuhsohlen,</p><p>halt, nein, ich bin barfu&#223;.</p><p>Meine Zehen kriechen in das weiche Gef&#252;hl, alles riecht nach frisch ausgepacktem Stoff.</p><p>Aus den W&#228;nden sch&#228;len sich Regalb&#246;den, F&#228;cher, Haken, Schubladen &#8211; jedes mit einem leisen Knacken, als w&#252;rden sie aus Schlaf geweckt.</p><p>Sekunden sp&#228;ter stehe ich in einem Schrank.</p><p>Nicht einfach ein Schrank &#8211; ein Raum, begehbar, gro&#223; genug f&#252;r eine kleine Modenschau, getarnt als edles Kleidungsgesch&#228;ft.</p><p>Hinter mir flutet Tageslicht durch ein bodentiefes Fenster, warm und freundlich, als wolle es mich begr&#252;&#223;en.</p><p>Rechts: ein Podest, kaum h&#246;her als eine Stufe, doch im Lichtschein wirkt es wie eine B&#252;hne.</p><p>Um mich herum h&#228;ngen Kleidungsst&#252;cke, Accessoires, Per&#252;cken &#8211; jede Farbe, jedes Material, jede Epoche scheint hier vertreten.</p><p>Ich staune.</p><p>Greife in die Garderobe, lasse Stoffe zwischen den Fingern hindurchgleiten.</p><p>Glatt. Rau. Kalt. Samtig.</p><p>Ich kombiniere schon im Kopf erste Outfits, sehe Versionen von mir in Farben, die ich sonst nie tragen w&#252;rde.</p><p>Das Podest beginnt sanft zu pulsieren, wie ein Herzschlag, der mich ruft.</p><p>Ich trete n&#228;her, sp&#252;re eine leichte W&#228;rme, steige darauf.</p><p>In der Mitte wird das Licht heller, fast fl&#252;ssig.</p><p>Ich mache einen Schritt hinein &#8211; und pl&#246;tzlich bin ich von Spiegeln umringt.</p><p>Rundherum.</p><p>Ich drehe mich, langsam, als wolle ich die Welt nicht erschrecken.</p><p>Sehe mich.</p><p>Und sehe:</p><p>Meine Hose.</p><p>Hinten rechts, an der Hosentasche &#8211; ein kleiner Fleck, unscheinbar, aber un&#252;bersehbar.</p><p>Ich reibe dar&#252;ber, halb aus Reflex. Vielleicht geht er raus.</p><p>Im Spiegel vor mir erscheint ein virtuelles Abbild meiner Hose, daneben eine schwebende Liste mit Farbmustern.</p><p>Ich tippe auf einen gelben Punkt &#8211; sofort flutet die Hose mit Farbe, leuchtet fast, vibriert leicht an den N&#228;hten und am Bund, als h&#228;tte sie eine eigene Haut.</p><p>Die Liste wechselt: Taschenformen.</p><p>Ich probiere. Klicke. Tippe. Wische.</p><p>Weite Beine. Enge Beine. Dreiviertell&#228;nge. Zip-off.</p><p>Karos. Cord. Latex.</p><p>Karottenhose &#8211; nein danke.</p><p>Aber ein seitlicher Rei&#223;verschluss? Vielleicht.</p><p>Ich lege die Hand auf den Hosenbund, ber&#252;hre mein Shirt..</p><p>Zack &#8211; Tr&#228;gertops, Pullover, Blusen Crop-Top, daneben ein kleines Textfenster: Layering Option erweitern</p><p>Ich tippe ein darauf, Jacken, Blazer, M&#228;ntel und daneben: Kopfbedeckungen.</p><p>Klick</p><p>H&#252;te, Visiere, T&#252;cher. Ich w&#228;hle </p><p>Breite Krempe, mit Band.</p><p>Leicht Vintage. Strandurlaub?</p><p>Ich r&#252;cke ihn zurecht, gerade, schief, im Nacken, </p><p>Er passt sich an, f&#252;hlt sich an, als sei er daf&#252;r gemacht auf meinem Kopf zu ruhen. </p><p>Statement!</p><p>Ich schiebe eine Haarstr&#228;hne unter die Einfassung.</p><p>Und blende ein neues Men&#252; ein: Haare.</p><p>Ich starre auf das Auswahlfeld.</p><p>Farbe, Struktur, Styling.</p><p>Und jedesmal f&#252;hlt es sich an, als w&#228;re es mein nat&#252;rlicher Look.</p><p>Allerdings sieht es nicht immer so aus.</p><p>Ich schwelge in den M&#246;glichkeiten und sehe immer wieder neue Erscheinungen von mir.</p><p>Im Schwung rutsche ich in ein weiteres Untermen&#252;.</p><p>Anpassbare Merkmale: Narben, Pickel, Sommersprossen, H&#246;rhilfen, Diabetikerpads.</p><p>Wieviel Ehrlichkeit vertr&#228;gt meine Perfektion?</p><p>Ich halte inne. Nur kurz.</p><p>Dann teste ich Haut. </p><p>Gr&#252;n-blau mit kupfernen Highligts &#8211; oder lieber ein weicher Verlauf, wie Wasser, das in Flammen ausl&#228;uft?</p><p>Ich wechsle wieder auf die Hautt&#246;ne, finde meinen.</p><p>Perfekte Gl&#228;tte</p><p>Die Farben stimmt, aber mir fehlen diese kleinen Unregelm&#228;&#223;igkeiten, die meine Haut ausmachen. Ich pr&#252;fe kurz die Einstellung Muttermale.</p><p>Way too much!</p><p>Ich kichere.</p><p>Das bin ich: kaum zwei Minuten im System und schon meckernd auf hohem Niveau.</p><p>Ich &#252;berspringe die n&#228;chsten Einstellungen und vervollst&#228;ndige meinen Look. So kann ich rausgehen!</p><p>Ich bin bereit. Aber wohin jetzt? Ich schaue mich nach einer T&#252;r um.</p><h3>Folge 8</h3><p>Sami</p><p>Das letzte Steinpaar.</p><p>Ob ich morgen wohl Muskelkater haben werde? Vielleicht sogar schon heute Abend?</p><p>Als sich die beiden Steine aufl&#246;sen, erklingen sanfte, gl&#228;serne T&#246;ne. Erst ein einzelner, dann mehrere, wie Tropfen, die auf eine gespannte Oberfl&#228;che fallen.</p><p>Rosafarbene Bl&#252;tenbl&#228;tter schweben herab &#8211; langsam, fast z&#246;gerlich, als wollten sie mich erst pr&#252;fen. Sie landen auf meinen Schultern, in meinen Haaren, auf meinen H&#228;nden.</p><p>Noch w&#228;hrend die ersten den Boden ber&#252;hren, ver&#228;ndert sich die Atmosph&#228;re.</p><p>Die Luft wird dichter. K&#252;hler. Schwerer.</p><p>Hinter mir ragen knochige B&#228;ume auf, &#196;ste wie knorrige Finger. Vor mir &#8211; lebende Gem&#228;lde.</p><p>Ja, ich denke an Harry Potter.</p><p>Aber hier ist es &#8230; mehr. Keine bewegten Bilder hinter Glas. Eher lebendige Schaufensterfiguren, jede eingefasst in einen h&#246;lzernen Bogen, als w&#228;ren sie T&#252;ren in eine andere Welt.</p><p>Ich trete auf einen kleinen, behaarten Mann zu. Seine knubbeligen Knie stecken in einer l&#246;chrigen Leinenhose von undefinierbarer Schlammfarbe. Aus den Ritzen quillt weiches, dunkles Haar. In seiner Hand blitzt der Stahl eines Dolchs.</p><p>Neben ihm: ein Wolf.</p><p>Ein Wolf???</p><p>Gro&#223;. Breit. Gelblich funkelnde Augen.</p><p>Er knurrt leise, tief aus der Kehle. Ich kann seinen Atem sehen. Warm, wei&#223;, in kleinen W&#246;lkchen.</p><p>Ich zucke zur&#252;ck, versuche wegzugucken, aber der Blick des Zw&#8230; des Kleinw&#252;&#8230; &#228;hm &#8211; direkt auf mich gerichtet.</p><p>Verlegen lese ich auf einer kleinen Holztafel zu seinen F&#252;&#223;en:</p><p>&#8222;Nain, Mines des Montagnes, Chasseur&#8220;</p><p>Ich hebe den Kopf.</p><p>&#8222;Bonjour, &#233;tranger. Souhaites-tu rassembler et prot&#233;ger les richesses de la terre avec les nains?&#8220;</p><p>&#8222;&#196;h, also ich &#8230; parlez-vous &#8211; &#228;h &#8230; eigentlich no, sry.&#8220;</p><p>Die Welt flackert kurz. Ein weiches Blink.</p><p>&#8222;Willkommen, Fremdling. M&#246;chtest du mit den Zwergen die Sch&#228;tze der Berge horten und besch&#252;tzen?&#8220;</p><p>Ich werfe einen Blick auf den Wolf. Er g&#228;hnt, dreht sich einmal um sich selbst, l&#228;sst sich nieder, legt den Kopf auf die Pfoten, schlie&#223;t die Augen. Auch keine gro&#223;e Lust, offenbar.</p><p>&#8222;&#196;h, nein danke. Ich glaube nicht. Gibt es noch &#8230; andere?&#8220;</p><p>Der Zwerg hebt seinen Dolch und deutet nach rechts.</p><p>&#8222;Oder m&#246;chtest du lieber mit stinkenden Trollen oder den sch&#246;nen Elfen des Hochlands Bekanntschaft machen?&#8220;</p><p>Ich folge seinem Blick. Ein weiterer Rahmen. Hohe Gestalten mit langen Gew&#228;ndern. Etwas flimmert. Vielleicht Fl&#246;tenmusik? Vielleicht nur Wind?</p><p>Ich trete zur&#252;ck, nicke dem Zwerg zu. &#8222;Danke dir. Ich, &#228;h &#8230; schau mich noch ein bisschen um, ja?&#8220;</p><p>&#8222;Willkommen, Fremdling. M&#246;chtest du mit den Zwergen die Sch&#228;tze der Berge horten und besch&#252;tzen?&#8220;</p><p>&#196;h. Nein.</p><p>Okay. Ich gehe zum anderen Kasten.</p><p>Bevor ich hineinsehe, rieche ich es schon. Was &#8211; oder wer &#8211; mich da auch immer einladen will: Das steh ich nicht durch.</p><p>Links, halb verdeckt von einem Busch, blitzt es silbern auf. Ich gehe um das Gestr&#252;pp herum und stehe vor einer weiteren Box. Deutlich gr&#246;&#223;er. </p><p>Der Mann darin scheint trotzdem nur ganz knapp hineinzupassen. Seine Haarspitzen streifen die Deckeneinfassug.</p><p>Nein &#8211; nicht Mann.</p><p>Ein  sehr - m&#228;nnlicher Elf?</p><p>Der Blick auf das Schildchen best&#228;tigt es: &#8222;Elb&#8220;.</p><p>Klar.</p><p>Sanft wie eine Laute flie&#223;en die Worte an mein Ohr.</p><p>&#8222;Werter Herr. Wohin des Weges? Die Elben suchen Unterst&#252;tzung. Seid Ihr bereit, dem Licht zu dienen?&#8220;</p><p>Nun ja. Besser als dunkle Minen oder muffige Trolle.</p><p>Aber &#8230; vielleicht gibt es noch mehr?</p><p>Ich drehe mich zur Seite &#8211; und laufe gegen Luft.</p><p>Gegen Luft?</p><p>&#8222;Bitte entschuldige. Du hast das Ende der Demonstration der V&#246;lker erreicht. In der sp&#228;teren Spielversion werden mehr Charaktere und Berufe zur Verf&#252;gung stehen. Bitte w&#228;hle eine Figur.&#8220;</p><p>Ah, ok. Elb also.</p><p>&#8222;&#196;h, ja Sir. Ich &#8230; oh wohlgeborener Elb. Ich m&#246;chte mit euch reisen.&#8220;</p><p>Nichts.</p><p>&#8222;&#196;h? Herr Elb? Ich will.&#8220;</p><p>Ich trete n&#228;her, zupfe an seinem &#196;rmel.</p><p>Ein Sog. Ein Klick. Und ich blicke auf den Platz, auf dem ich gerade noch selbst gestanden habe. Er ist leer.</p><p>Meine Arme ragen aus den wei&#223;en &#196;rmeln. Meine Haut darunter: bl&#228;ulichblass.</p><p>Meine Haut?</p><p>Nicht meine Haut. Oder doch?</p><p>Ich bin ein Elb. Wow.</p><p>Probehalber trete ich aus dem Kasten. Der Raum wirkt anders. Verzerrt. Ich bin gr&#246;&#223;er, dem Himmel n&#228;her, die Farben klarer.</p><p>Ich umfasse den knorrigen Stab in meiner Hand fester und folge dem Pfad, der sich &#8211; wie von selbst &#8211; vor mir &#246;ffnet. Vielleicht wartet dort schon das erste Abenteuer. Oder die erste Falle.</p><p></p><div><hr></div><p><em>Dieser Text ist Teil 2 der ersten Staffel der seriellen Geschichte FutureZone.<br>Teil 3 der ersten Staffel erscheint am 23. April.</em></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://targya.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Staffel 1, Teil 1 [FutureZone]]]></title><description><![CDATA[Folge 1]]></description><link>https://targya.substack.com/p/staffel-1-teil-1-futurezone</link><guid isPermaLink="false">https://targya.substack.com/p/staffel-1-teil-1-futurezone</guid><pubDate>Thu, 26 Feb 2026 06:00:28 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ktZS!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4efcf844-bdc6-4943-8ac3-87445fd2623c_512x512.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<h3>Folge 1</h3><p>Sami</p><p>Vor uns dr&#228;ngt ein dichter Teppich aus K&#246;rpern und Stoffen, aus Nylon und Leder, aus Rucks&#228;cken, Brustbeuteln, Shoulderbags und Taschen, aus Waschmittel, Aftershave, Vapewolken und Duschgel. </p><p>Kein Platz f&#252;r Selfies, nur ein paar Sticks ragen &#252;ber unsere K&#246;pfe.</p><p>Schuhe scharren, Rei&#223;verschl&#252;sse kratzen an Armen, eine Handtasche streift meine H&#252;fte. Stimmen summen, ohne Worte zu formen.</p><p>Zwischen den grauen, schwarzen und wei&#223;en Shirts und Hoodies stechen einzelne Gr&#252;ppchen heraus &#8211; durch Accessoires, durch Requisiten. Klar, ich schleppe auch st&#228;ndig einen mannshohen, leeren Vogelk&#228;fig mit mir herum. Warum nicht.</p><p>Schr&#228;g vor mir eine Art Wikinger, zwei Reihen weiter rechts eine grellgelbe Ganzk&#246;rperverh&#252;llung, daneben ein Schulm&#228;dchen-Look. </p><p>Papa und ich stehen eng beieinander. In der Menge f&#228;llt nicht auf, wie nah wir uns sind. Ich sehe ihn von der Seite an. Er sieht mich an und verzieht das Gesicht zu einem Grinsen. Er zieht an dem kleinen B&#228;ndchen und das kleine &#214;hrchen seiner Kappe stellt sich fr&#246;hlich auf. Himmel. Die Art von Peinlichkeit, die nur V&#228;ter k&#246;nnen.</p><p>Hinter uns ein schrilles Kreischen, dann ein Quietscher und hohe schrille T&#246;ne. Wiedergefunden in der Menge. Wenigstens die haben Spa&#223;. </p><p>Mein Blick schweift zur anderen Seite. Ein P&#228;rchen, sie kramt im Rucksack herum, reicht ihrem blonden Begleiter ein P&#228;ckchen in Alufolie. </p><p>In die Reihe dahinter kommt Bewegung. Ein Ruck, ein Schubser, fast f&#228;llt ihm das spontane Fr&#252;hst&#252;ck aus der Hand.</p><p>Mein Magen grummelt leise w&#228;hrend der Blonde seine Hand zwischen dem Vordermann und sich nach oben man&#246;vriert und in ein Br&#246;tchen bei&#223;t. </p><p>Irgendwo piept eine Uhr. Ein Handy klingelt. Wecker gehen los, jeder in einer anderen Tonlage. Ich schaue auf meine. Laut Plakat: &#214;ffnungszeit.</p><p>Kinsa</p><p>Wir stehen. Seit zwanzig Minuten.</p><p>Oder f&#252;nfzehn.</p><p></p><div><hr></div><p><em>Weiterlesen: Dieser Teil ist f&#252;r Abonnent:innen.</em></p><div class="paywall-jump" data-component-name="PaywallToDOM"></div><p>Meine Beine werden schwer. Ich bewege die Zehen, nur um sicher zu sein, dass sie noch da sind. </p><p>Der Kleine steht zwischen Mama und mir. Sie sorgt f&#252;r einen kleinen Raum zum Atmen. Er wippt und zappelt, st&#246;&#223;t gegen meine H&#252;fte. Staunt und plappert, schweigt und fragt. </p><p>Meine Mutter antwortet, geduldig und immer wieder.</p><p>Mein Vater schaut auf die Uhr, senkt sie wieder, als h&#228;tte er sich vertippt.</p><p>Um uns herum: R&#252;cken, Taschen, Stimmen.</p><p>Der ganze Block aus Stoff, Haut. </p><p>Pl&#246;tzlich riecht es nach Leberwurst. </p><p>Links von uns, mitten im Gedr&#228;nge bei&#223;t einer herzhaft in ein Br&#246;tchen und erwischt dabei fast die Alufolie. Echt, jetzt und hier?</p><p>Hinter ihm wogt es und er scheint einen Sto&#223; zu bekommen, seine Br&#246;tchenhand ruckt nach vorne, kann sich grad noch vor dem Nacken des Vordermanns bremsen. </p><p>Irgendwo knistert eine T&#252;te, und f&#252;r einen Moment h&#246;re ich nur das.</p><p>Ich starre auf meine Schuhe. Heute die schwarzen.</p><p>Wie viele werden heute wohl auf mir rumtrampeln?</p><p>Einer schon &#8211; von hinten, versehentlich, aber voll.</p><p>Mein Herz springt kurz schneller, als w&#228;re ich dran.</p><p>&#220;ber den Eing&#228;ngen: Plakate.</p><p>Alle gleich, alle riesig.</p><p>Keine Lichter, kein Blinken. Nur das Wort.</p><p>FutureZone25 &#8211; fett, verspiegelt, gr&#246;&#223;enwahnsinnig.</p><p>Ich lese es dreimal, als k&#246;nnte sich im Schriftzug etwas &#228;ndern.</p><p>Links, schr&#228;g hinter dem Leberwurstp&#228;rchen tr&#228;gt einer diese Ohrenkappe. Grad stellt sich eines der beiden auf und der Junge daneben verzieht das Gesicht. Elternpeinlichkeit. Ich f&#252;hle Dich!</p><p>Vorne Bewegung.</p><p>Eine schwarze Jacke schiebt sich durch den Pulk.</p><p>Sami</p><p>Auf der linken Seite &#8211; Bewegung.</p><p>Ein Flirren, ein kleiner Strom.</p><p>Ordner winken Familien heraus &#8211; Eltern, Kinder, Buggy, Rucks&#228;cke.</p><p>Manche zu zweit, manche zu dritt. Manche wie eine gef&#252;hlte Gro&#223;familie.</p><p>Ob die wirklich zusammengeh&#246;ren?</p><p>Vielleicht nur ein Zufall, ein gemeinsamer Schritt in dieselbe Richtung.</p><p>Dann noch eine. Und noch eine.</p><p>Wie eine stille Parade: raus aus der Reihe, an allen vorbei, direkt zur T&#252;r.</p><p>Keine Musik, kein Applaus. Nur das Ger&#228;usch von Schritten, Jacken, Taschen,</p><p>und dieses leise Rascheln, wenn jemand nerv&#246;s sein Ticket knetet.</p><p>Ich sehe, wie sich ein paar Leute umdrehen.</p><p>Nichts Aggressives. Nur dieser Blick:</p><p>Aha. Das ist also erlaubt.</p><p>Funktioniert wie am Flughafen. Nur ohne Lounge. Ohne Gratiskaffee.</p><p>Mein Vater sagt nichts.</p><p>Aber sein Kiefer zieht an. Nur ein bisschen, fast unmerklich.</p><p>Ich wei&#223;, was er denkt.</p><p>Ich denke&#8217;s auch.</p><p>Und dann wieder nicht.</p><p>Papas Kiefer entspannt sich. Er l&#228;chelt.</p><p>&#8222;Schade, dass du nicht zwei K&#246;pfe kleiner bist.&#8220;</p><p>Cringemoment.</p><p>Ein Teil von mir sch&#228;mt sich mit.</p><p>Nicht f&#252;r sie &#8211; sondern irgendwie &#8230; f&#252;r das ganze System.</p><p>Ein anderer Teil ist fast neidisch.</p><p>Nicht auf das Gef&#252;hl von peinlicher Bevorzugung.</p><p>Aber auf die Abk&#252;rzung.</p><p>Das schnelle Vorankommen.</p><p>Dieses Verschwinden durch eine Seitent&#252;r,</p><p>w&#228;hrend wir noch warten.</p><p>Einer Gruppe folgt ein Geschwisterkind in meinem Alter.</p><p>Die dunklen Haare verdecken das Gesicht.</p><p>Wenn ich das w&#228;r, w&#252;rde ich leuchten wie ein Tomatenkopf.</p><p>Ich schiebe die H&#228;nde tiefer in die Taschen.</p><p>Stoff auf Haut, ein kleiner W&#228;rmehauch.</p><p>Dann vibriert mein Handy. Empfang.</p><p>Wenn ich wieder Raum habe, checke ich die Nachricht. Hier ist es einfach zu eng und so wichtig kann es gar nicht sein.</p><h3>Folge 2</h3><p>Sami</p><p>Wir haben einen Tisch am Rand ergattert &#8211; R&#252;cken an der Wand, Blick auf die dicht gestellten Stuhlreihen, die sich langsam f&#252;llen. Die Luft ist schwer vom Geruch nach Frittiertem und frischem Kaffee.</p><p>Es ist voll, aber noch nicht unangenehm laut &#8211; nur das gleichm&#228;&#223;ige Klirren von Tabletts, das dumpfe Schieben von Stuhlbeinen &#252;ber den Boden, das Rascheln von Papiert&#252;ten. Die erste Welle kommt erst sp&#228;ter, noch sind nur die Strategen hier. Oder die, die einfach jetzt Hunger haben.</p><p>Zusammen haben wir bisher vier T&#252;ten &#8211; unterschiedlich gef&#252;llt, raschelig, mit bunten Logos, die im Licht flimmern.</p><p>Max fummelt an seinem Pappbecher, dreht ihn zwischen den Fingern, als w&#252;rde er eine Kombination suchen. </p><p>Er nimmt eines seiner Beutest&#252;cke: SOMA &#8211; in geschwungenen Lettern, fast fl&#252;ssig und klebt es direkt &#252;ber eine Kaffeetropfenspur. </p><p>Sieht aus wie: Muss so sein.</p><p>&#8222;Wieder was, was ich nicht mit heim schleppen muss!&#8220;</p><p>Max grinst &#8211; praktisch, wie immer.</p><p>Papa sortiert Prospekte in einem gleichm&#228;&#223;igen Rhythmus, als w&#228;ren sie Spielkarten. </p><p>Zur&#252;ck in die T&#252;te.</p><p>Auf dem Tablett lassen.</p><p>Vor ihm liegen kleine Gummib&#228;rt&#252;tchen.</p><p>SOMA &#8211; Geschmack der Zukunft steht drauf, in derselben Schrift wie nun auf dem Becher. </p><p>Eines der T&#252;tchen knistert leise, als er es zur Seite schiebt.</p><p>&#8222;Kannich?&#8220; frage ich.</p><p>Er schaut kurz hoch, blickt zwischen T&#252;te und mir hin und her, dann ein knappes Nicken.</p><p>&#8222;Klar, nimm. Hab schon zwei.&#8220;</p><p>Die Gummib&#228;rchen riechen s&#252;&#223;lich-chemisch, ein Hauch von Erdbeere, gemischt mit etwas, das an Waschmittel erinnert. </p><p>Nur Rote.</p><p>Ich fische in meiner Tasche nach dem Anh&#228;nger, drehe ihn zwischen meinen Fingern. Silbern, leicht, ein bisschen hypnotisch. Das Logo sieht aus wie ein Strudel &#8211; schr&#228;g, ganz neu, und trotzdem seltsam vertraut.</p><p>&#8222;Willst du?&#8220; frage ich und halte ihn Papa hin.</p><p>Er sieht kurz auf, nickt, greift zu, als h&#228;tte er schon vorher gewusst, dass er ihn nimmt.</p><p>Die Gummib&#228;rchen sind weg. </p><p>Ich kn&#252;lle die leere Packung aufs Tablett. Sie entfaltet sich wieder ein bisschen, gl&#228;nzt im Deckenlicht, reflektiert winzige Strudel aus Lamellenlicht.</p><p>Bleibt liegen. Zwischen Servietten, einem Becherdeckel und der halben, matschigen Tomatenscheibe.</p><p>Max schaut auf die Packung, dann greift er in seine T&#252;te und w&#252;hlt darin herum. </p><p>&#8222;Hier!&#8220; er h&#228;lt mir eine kleine T&#252;te hin. Mehr Gummib&#228;rchen?</p><p>&#8222;Leider nur Pfefferminzdrops. Aber viellicht&#8230;?&#8220;</p><p>Ich nicke ihm l&#228;chelnd zu. </p><p>&#8222;Danke.&#8220;</p><p>Ich stecke das T&#252;tchen in die Hosentasche.</p><p>Mein Vater trinkt den letzten Schluck, stellt den Becher mit einem leisen Plopp ab.</p><p>&#8222;Wollen wir weiter?&#8220;</p><p>Ich zucke mit den Schultern. Max steht schon, schiebt sein Tablett vor sich her.</p><p>Ich nehme meines, folge den beiden durch den Gang zwischen den Tischen, weiche einer Frau mit Pommes aus, dann einem Jungen, der im Gehen ein Sandwich zusammenklappt.</p><p>&#8222;Ich glaube, ich muss nochmal zur Halle 3.&#8220;</p><p>Die beiden nicken &#8211; fast gleichzeitig &#8211; und wir biegen in den n&#228;chsten Korridor ein.</p><p>Kinsa</p><p>Der Tisch ist voll.</p><p>Tabletts, Servietten, der obligatorische Strohhalm f&#252;r Max &#8211; und ein eingepacktes Spielzeug, das er schon seit dem Bestellcounter fixiert.</p><p>&#8222;Aber erst essen&#8220;, sagt Mama und schiebt gleichzeitig seinen Becher ein St&#252;ck weiter weg. Sicher ist sicher,</p><p>Erfahrungwerte.</p><p>Vor mir ein &#252;bergro&#223;es Veggie-Wrap-Men&#252;, bunt wie eine aufgerollte Kinderzeichnung, als h&#228;tte jemand den Regenbogen nicht nur eingefangen, sondern zwischen Salatbl&#228;ttern und Avocado in Folie gepresst.</p><p>Meine Mutter hat sich f&#252;r die Quinoabowl entschieden, mein Vater f&#252;r Curry mit irgendwas.</p><p>Seltsamerweise ohne Geruch. Oder ich rieche ihn nur nicht.</p><p>Ich habe Pommes.</p><p>Standard. Sicher.</p><p>Meistens.</p><p>Goldgelb, etwas schlaff, mit winzigen Fettbl&#228;schen, die im Licht der Deckenlampe gl&#228;nzen.</p><p>Mein Bruder redet. Ununterbrochen.</p><p>Seine Worte sind wie ein Dauerlauf &#8211; keine Pausen, nur ein gelegentliches, erzwungenes schnappendes Luftholen.</p><p>&#8222;&#8230; und dann gab&#8217;s da diesen Raum, der war komplett dunkel, aber wenn du dich bewegt hast, hast du Leuchtlinien gesehen &#8211; und die haben sich ver&#228;ndert, je nachdem, wie du gestanden hast! Ich hab fast den Highscore geknackt, aber dann ist der Typ von hinten in mich reingerannt und ich hab alles verloren, aber vorher&#8212;&#8220;</p><p>Ich nicke. Ab und zu.</p><p>Innerlich schreibe ich mit: Kapitel 47 der Max-Saga &#8211; Ich, der interaktive Held.</p><p>Er ist zw&#246;lf. Er meint es ernst.</p><p>Ich meine es mittelernst, aber nicke wie jemand, der seit zw&#246;lf Jahren an dieser Fortsetzungsreihe kompetent mitarbeitet.</p><p>Ich kaue langsam.</p><p>Die Pommes schmecken vertraut, wie ein altes Intro.</p><p>Vorhersehbar, salzig &#8211; und vor allem: Sie sprechen nicht.</p><p>Meine Finger streichen erst &#252;ber meine Hose. </p><p>Fett weg.</p><p>Dann ganz unauff&#228;llig &#252;ber mein neues T-Shirt.</p><p>Das braune. Vom Merchstand.</p><p>Der Stoff noch leicht steif vom Druck, die N&#228;hte kratzen kaum.</p><p>Ich l&#228;chle Mama zu.</p><p>Ich wei&#223;, dass es echt teuer war. Wir beide wissen das. Und Papa auch.</p><p>Aber es wird eine perfekte Erinnerung an einen perfekten Tag.</p><p>Wehe, der Tag wird dem nicht gerecht.</p><p>Selbst wenn &#8211; das Shirt ist cool, es sitzt, und ich f&#252;hle mich gut.</p><p>Am Nebentisch eine Gruppe Jugendlicher.</p><p>Alle ungef&#228;hr mein Alter, vielleicht etwas &#228;lter.</p><p>Sie lachen viel, reden durcheinander, tragen Messeb&#228;ndchen und Hoodies mit Logos, die man nur erkennt, wenn man schon mal in Halle 3 war.</p><p>Ein M&#228;dchen hat eine Glitzertasche.</p><p>Auf dem Boden eine T&#252;te mit auff&#228;lligem Druck.</p><p>An ihrem Handgelenk: ein Ballon mit dem SOMA-Zeichen.</p><p>Er wippt &#8211; wenn sie redet, wenn sie isst, wenn sie lacht.</p><p>Manchmal scheint er in meine Richtung zu nicken.</p><p>Sie reden &#252;ber den Contest in Halle 5.</p><p>Schnelle Worte. Buzzwords.</p><p>Punkte-Leveln. Live-Auswahl.</p><p>W&#246;rter, die wie kleine Spoiler klingen.</p><p>Ich tue so, als w&#252;rde ich nicht hinh&#246;ren.</p><p>Ich h&#246;re genau hin.</p><p>Und irgendwo zwischen Cola-Schl&#252;rfen und Pommes-Salz f&#228;llt mir ein, dass ich vielleicht doch &#8230; gespannt bin.</p><p>Einer von ihnen dreht sich kurz zur Seite.</p><p>Blickkontakt. Ein Sekundenbruchteil.</p><p>Nicht wertend. Nicht einladend.</p><p>Einfach nur: Ich sehe dich.</p><p>Ich sehe weg &#8211; zu sp&#228;t, um es nicht bemerkt zu haben.</p><p>Mein Bruder holt Luft, schiebt sich einen Apfelschnitz in den Mund &#8211; und startet kauend mit dem n&#228;chsten Kapitel.</p><p>Ich greife nach meiner Cola, trinke einen Schluck, und meine Gedanken schieben sich schon durch die Hallenpl&#228;ne im Programmheft.</p><p>Sechs Hallen.</p><p>Und alles, was da noch kommt.</p><p>Ich mache einen Snapshot: Pommeskr&#252;mel wie Morsezeichen, ein leerer Ketchupbecher mit rotem Rand, die Cola halbvoll, Eisw&#252;rfel wie eingefrorene Sekunden.</p><p>#Es geht weiter. Halle 3 wartet.</p><h3>Folge 3</h3><p>Sami</p><p>Ich stehe wieder in einer Schlange. Diesmal lang &#8211; sehr lang &#8211; und schmal. Die Wartenden schl&#228;ngeln sich an einer Videowand vorbei. Gegen&#252;ber auf der B&#252;hne l&#228;uft wieder eine Pr&#228;sentation.</p><p>Die Stimme klingt glatt, einstudiert &#8211; aber nicht so gruselig wie die Frau vom U-Bahn-Band.</p><p>&#8222;An den oberirdischen Stadtbahnen h&#228;lt die&#8230;&#8220;</p><p>Sch&#252;ttel.</p><p>&#8222;&#8230; du spielen k&#246;nntest, ohne einen Bildschirm zu ber&#252;hren?&#8220;Das Echo flattert von der Decke zur&#252;ck.</p><p>&#8222;Wenn du Neues erleben w&#252;rdest &#8211; und dich dabei nicht stresst?&#8220;</p><p>Jemand hinter mir r&#228;uspert sich.</p><p>Der Geruch von Zuckerwatte h&#228;ngt in der Luft, s&#252;&#223; und schwer.</p><p>&#8222;Wir haben SOMA entwickelt,</p><p>weil wir glauben, dass Spiel mehr sein darf als Zeitvertreib.</p><p>Weil wir &#252;berzeugt sind,</p><p>dass wir mehr aus uns herausholen k&#246;nnen.</p><p>Mehr aus dem Spiel.</p><p>Mehr aus der Welt.&#8220;</p><p>Sie wiederholen es wie ein Mantra. Dreimal.</p><p>Ich sp&#252;re, wie sich die Worte in meinen Kopf fr&#228;sen wollen.</p><p>&#8222;SOMA ist kein Spiel.</p><p>Es ist auch kein Wellnessprodukt.</p><p>Es ist viel mehr.</p><p>Ein Raum, den du betrittst.</p><p>Du schlie&#223;t die Augen &#8211; und sie bleiben offen.</p><p>Ein Raum, den wir gestalten.</p><p>Den du f&#252;llst.</p><p>Mit Klang. Licht. Duft. Impulsen. Erinnerung.</p><p>Ich blende die Stimme wieder aus.</p><p>Langsam r&#252;cken wir vor.</p><p>Alle paar Minuten ein halber Meter.</p><p>Gut, dass ich was gegessen habe.</p><p>Ein paar Pl&#228;tze vor mir tr&#228;gt jemand eins von den FuturCom25-Shirts &#8211; schwarze Grundfarbe, kleiner wei&#223;er Aufdruck.</p><p>Gute Wahl.</p><p>Am h&#228;ufigsten sehe ich hier das mit dem grellen Neonstreifen</p><p>oder das mit der abartig gro&#223;en Zahl auf der Schulter.</p><p>Ich hole die Flasche aus meiner Hosentasche.</p><p>Und genau deswegen trage ich heute Cargo &#8211; Flaschenfach, Snackfach, Geheimfach.</p><p>&#8222;Stell dir vor, du wachst auf &#8211;</p><p>und vermisst den Ort, an dem du gerade noch warst.</p><p>Nicht, weil du getr&#228;umt hast.</p><p>Sondern weil du wirklich dort warst.</p><p>Genau das ist SOMA.&#8220;</p><p>Langsam &#252;bertreiben sie es.</p><p>Noch zwei S&#228;tze, und sie verkaufen mir Tr&#228;ume als Wellnesskur f&#252;rs Unterbewusstsein.</p><p>Trotzdem werde ich immer neugieriger.</p><p>Ein weiblicher, blonder Roboter-Computer tritt einen Schritt vor, bewegt sich so fl&#252;ssig, dass es fast echt wirkt, und dr&#252;ckt mir einen Flyer in die Hand.</p><p>&#8222;Du setzt die NeuroCap auf &#8211;</p><p>sie liegt wie eine eng anliegende M&#252;tze auf der Kopfhaut,</p><p>mit mehreren trockenen Sensorfeldern zur EEG-Erfassung</p><p>und Mikro-Stimulation bestimmter Hirnareale</p><p>(z. B. visueller Kortex, limbisches System, Sprachareale).&#8220;</p><p>Unwillk&#252;rlich streife ich mir &#252;ber den Haaransatz, als k&#246;nnte ich f&#252;hlen, wie das ist.</p><p>&#8222;Die SensaGlass projiziert optional einen sanften Countdown</p><p>(z. B. eine einfahrende Landschaft), kombiniert mit entspannender Musik.</p><p>&#220;ber die integrierte DreamHub-App kannst du Folgendes ausw&#228;hlen:</p><p>&#8226;&#9;Thema (z. B. &#8222;Waldwanderung&#8220;, &#8222;Kindheitserinnerung&#8220;, &#8222;Flug&#8220;, &#8222;Sternenreise&#8220;, &#8222;verlorener Ort&#8220;)</p><p>&#8226;&#9;Emotionaler Ton (z. B. Sicherheit, Abenteuer, Melancholie, Euphorie)</p><p>&#8226;&#9;Reizprofile: Welche Sinneskan&#228;le sollen betont werden?&#8220;</p><p>Klingt schon cool.</p><p>Vielleicht zu cool.</p><p>Vielleicht genau richtig.</p><p>&#8222;Die App berechnet auf Basis deiner vorherigen Tr&#228;ume,</p><p>Herzfrequenzdaten und Vorlieben</p><p>ein individuelles Stimulationsprofil.&#8220;</p><p>Etwas weiter vorne geben zwei Wartende entnervt auf.</p><p>Wieder geht es ein St&#252;ck vorw&#228;rts.</p><p>Die Stimme von der B&#252;hne l&#228;uft weiter, als w&#252;rde sie uns alle hypnotisieren.</p><p>Kinsa</p><p>Ich atme tief in die Menge hinein, als k&#246;nnte ich ihre Ger&#228;usche in den Lungen behalten.</p><p>Die Leinw&#228;nde flirren &#8211; Wellen aus Licht, Pixelstaub.</p><p>Aus allen Richtungen dr&#246;hnt Musik. Rufe. Gekicher. Metallisches Klirren, das irgendwo in einem Lautsprecher h&#228;ngen geblieben ist.</p><p>Ich sehe Marok.</p><p>Noch einen Marok.</p><p>Drei. Nein &#8211; vier Maroks.</p><p>Jeder in anderer Ausf&#252;hrung. Einer mit schiefem Helm, einer mit perfektem Bartschatten, einer in einer R&#252;stung, die im Licht eher nach Alufolie aussieht.</p><p>Wahrscheinlich gleich der Look-A-Like-Contest in Halle 4.</p><p>Memo an mich: Mangahallen. Unbedingt. Sp&#228;ter.</p><p>Hinter der n&#228;chsten Biegung h&#228;ngt mein Blick fest.</p><p>Grauer Hoodie. Wie der neben den Winkohren von vorhin.</p><p>Schultern nach vorne gekippt. Eine Hand in der Tasche, die andere am Handy.</p><p>Er tippt, Daumen flach. So tippen nur Leute, die Empfang haben.</p><p>Ich blicke auf mein eigenes Display.</p><p>Immer noch keine Balken.</p><p>Fast st&#246;rt mich, dass der Graue online ist.</p><p>Wie eine kleine Gemeinheit im Hintergrundrauschen.</p><p>Die Schlange ruckt vorw&#228;rts, einen Schritt, wie ein tr&#228;ger Organismus, der sich umentschlie&#223;t.</p><p>Ich stehe seit einer halben Stunde. Vielleicht l&#228;nger.</p><p>Ich kenne hier niemanden &#8211; Vorteil: Niemand will reden.</p><p>Ich &#8222;seile&#8220; auf meinem Handy, so nenne ich es inzwischen. Faden aus Wischen, Tippen, wieder Wischen.</p><p>Nebenbei wechsele ich das Gewicht von einem Fu&#223; auf den anderen, als k&#246;nnte ich so die Zeit beschleunigen.</p><p>Mein Blick wandert die Schlange entlang.</p><p>Absch&#228;tzung: zwanzig Minuten?</p><p>Vielleicht drei&#223;ig.</p><p>Hinter mir biegt sie l&#228;ngst um die Stellwand.</p><p>War gut, sofort herzukommen.</p><p>Seit einer Stunde bin ich im zweiten Bereich.</p><p>Garantiert dran.</p><p>Gelbe Bodenmarkierung.</p><p>Davor wei&#223; man nie, ob man es schafft. Die Security schneidet die Schlange manchmal einfach ab &#8211; Zack, aufgel&#246;st. Letztes Jahr passiert. Nervig.</p><p>Jetzt bin ich hinter der Markierung. Safe.</p><p>An der Wand h&#228;ngen Plakate. Schwarzgelb.</p><p>Aus Langeweile lese ich sie.</p><p>Wie bei Achterbahnen.</p><p>Nur steht hier nicht:</p><p>&#8222;Arme und Beine im Wagen behalten.&#8220;</p><p>Sondern:</p><p>Spieletr&#228;ume sind fl&#252;chtig. Sicherheit nicht.</p><p>Weitere Hinweise in der SOMA-Hub-App</p><p>oder im Gespr&#228;ch mit unseren Guides vor Ort.</p><p>Ich grinse.</p><p>Was f&#252;r ein K&#228;se.</p><p>Sami</p><p>Ich bin fast dran.</p><p>Der Sicherheitsbereich ist kaum einer. Nur ein schmaler Metallrahmen, der leuchtet &#8211; sanft, als wolle er mich willkommen hei&#223;en, und doch zu k&#252;hl, um wirklich freundlich zu sein.</p><p>Zwei Ordner. Zwei Blickpaare. Zwei Sekunden, die sich dehnen wie Kaugummi. Lang genug, um jede meiner Bewegungen zu speichern, kurz genug, dass ich den Atem nicht anhalte.</p><p>&#8222;B&#228;ndchen einmal zeigen, bitte.&#8220;</p><p>Ich strecke den Arm vor. Ziehe den &#196;rmel demonstrativ hoch. Die B&#228;ndchenfarbe stimmt.</p><p>Aber sowas von!</p><p>Erster Check: Alter &#8211; passt. </p><p>Der Rahmen leuchtet kurz auf.</p><p>Zweiter Blick der Ordner: Einer&#8211; ohne Begleitung. In der Hand des Ordners klickt die kleine Z&#228;hlmaschine einmal.</p><p>Dritter Check: Stimmung &#8211; das &#252;bernehme ich selbst: gut!</p><p> Keine externe &#220;berpr&#252;fung. Kein Kommentar. </p><p>Ich nicke, obwohl keiner was gesagt hat. Werde durchgewunken. </p><p>Vor dem Abflug. Eine kaum h&#246;rbare Frequenz, die unter die Haut kriecht.</p><p>Ich bin drin.</p><p>Wie bei einer Achterbahn: dieser winzige Augenblick, wenn Du endlich die Station betrittst und wei&#223;t, jetzt bist Du gleich dabei. </p><p>Ich schaue zur&#252;ck, sehe die letzte Bastion der Wartenden &#8211; Gesichter, die noch nicht wissen, wie nah sie sind. Das Ende ist absehbar.</p><p>Ich meine &#8211; der Anfang.</p><p>Egal. Ich bin dabei. Ich muss nur noch ein ganz klein bisschen warten.</p><p>Kinsa</p><p>Noch drei vor mir &#8211; dann die Ordner.</p><p>Das Ziel ist sichtbar, aber immer noch zwei, drei Atemz&#252;ge entfernt.</p><p>Ich habe Gl&#252;ck: Die beiden vor mir sind Kategorie Umentscheider.</p><p>&#8222;Ich muss noch mal aufs Klo.&#8220;</p><p>&#8222;Jetzt? Echt? Wir sind fast da.&#8220;</p><p>&#8222;Dann kommt eh wieder nur &#8217;ne Schlange. So lang halt ich nicht.&#8220;</p><p>Der Zopf vor mir wippt &#8211; nicht fr&#246;hlich, sondern wie ein Metronom, das seinen letzten Takt schl&#228;gt.</p><p>Ein tiefer, resignierter Seufzer.</p><p>Ein halber Schritt nach links, Schulter an Schulter, fremder Atem.</p><p>Und pl&#246;tzlich bin ich nur noch einen Schritt entfernt.</p><p>Dann endlich.</p><p>Die Ordner fragen nicht viel.</p><p>&#8222;Alle bereit?&#8220;</p><p>Ich nicke. Bin allein.</p><p>Der Arm geht hoch, als w&#252;rde ich schw&#246;ren. Berechtigung zeigen, Beweisst&#252;ck am Handgelenk.</p><p>Er schaut nicht. Tippt nur auf das Ger&#228;t am G&#252;rtel, als k&#246;nnte es sich selbst &#252;berzeugen.</p><p>Sie winkt mich weiter &#8211; ein knapper Schwung, fast unh&#246;flich, fast erleichternd.</p><p>Eine Frau steht am Durchgang.</p><p>Ihr Clip gl&#228;nzt matt in der Handfl&#228;che.</p><p>Ich nehme ihn, sp&#252;re das Gewicht, die k&#252;hle Kante.</p><p>Befestige ihn am Hosenbund.</p><p>Stylish. Wichtig. Ein bisschen dr&#252;ber.</p><p>Die Art Accessoire, das nur an Orten funktioniert, wo die Au&#223;enwelt l&#228;ngst verstummt ist.</p><p>Ich bin drin.</p><p>Der schwarze Vorhang schlie&#223;t sich wie eine B&#252;hnenkulisse hinter mir.</p><p>Die Schlange, die bleibt, ist &#252;berschaubar &#8211; ein paar Gesichter, viel Stoff, ein tr&#228;ges Vorw&#228;rtsr&#252;cken.</p><p>Neben mir ragt der Hals einer Wasserflasche aus einer Cargotasche.</p><p>Kondenswasser perlt an der Seite hinunter.</p><p>Vorbereitete Menschen sind mir lieber.</p><h4>Folge 4</h4><p>Sami</p><p>Sieben Pl&#228;tze. Sieben K&#246;rper.</p><p>Stille. Kein Gespr&#228;ch, keine Blicke.</p><p>Nur Atem, R&#228;uspern, Scharren.</p><p>Plastikt&#252;tenverstauungen.</p><p>Ein leises Knarzen, um uns herum wuseln sich die Mitarbeiter.</p><p>Teuer. Weich. Ergonomisch.</p><p>Jeder Sitz schmiegt sich anders.</p><p>Meiner atmet mit mir. Millimeterarbeit,</p><p>als h&#228;tte er meinen R&#252;cken schon lange studiert.</p><p>Er kennt meine Schultern, die linke mehr als die rechte.</p><p>Den will ich. Wenn ich Geld habe.</p><p>Sp&#228;ter. Jetzt.</p><p>&#8222;Sch&#246;n, dass ihr da seid. Greift bitte mal alle rechts von euch in die Konsole.&#8220;</p><p>Ich taste, finde den kleinen Schalter, der Deckel stuppst an mein Handgelenk.</p><p>Zwei versiegelte Verpackungen.</p><p>Folie, knistert frisch, leicht k&#252;hl an den Fingerspitzen.</p><p>Vorhin im Schaukasten gesehen &#8211; hinter Glas, fast wie im Museum.</p><p>Und jetzt&#8230; in meinen H&#228;nden.</p><p>Krass, dass wir echtes Equipment bekommen.</p><p>Ich dachte, das sind bloss Schaust&#252;cke ohne Funktion. Oder im besten Fall teure Prototypen, die keiner anfassen darf. </p><p>Der Raum wird von lautem Knistern erf&#252;llt.</p><p>Die Einreisslasche perfekt. Kein Zerren nur glattes Surren. </p><p>NeuroSoundPods gleiten auf meine Handfl&#228;che.</p><p>Dann die </p><p>SensaGlasses</p><p>So elegant, dass ich fast z&#246;gere, sie zu ber&#252;hren.</p><p>Finger kurz in der Luft, bevor ich den Mut finde.</p><p>&#8222;Bitte verbindet eure Eintrittskarten mit dem Clip. Ja genau &#8211; nur einfach drauflegen.</p><p>Handys sicher verstauen, oder in die Konsole legen. Wir passen die ganze Zeit auf.&#8220;</p><p>Ein &#228;lterer Mann ringt mit seinem Ger&#228;t.</p><p>Bluetooth ist der Schl&#252;ssel.</p><p>Er l&#228;chelt gequ&#228;lt. Nerd.</p><p>Mein Chip vibriert, ein Haken blinkt.</p><p>Handy in die Hosentasche, Chip an den Kragen geklippt.</p><p>Bereit. Wenn ihr es seid.</p><p>Das Gewebe der Glasses kratzt ganz leicht, fast beruhigend.</p><p>Von links ein junger Typ:</p><p>T-Shirt, Namensschild, M&#252;tze.</p><p>Sein Mundgeruch kommt zuerst.</p><p>Warm, s&#252;&#223;lich, wie abgestandener Kaffee, der eine Nacht durchgeatmet hat.</p><p>Keine Flucht. Maximum Ausweichen.</p><p>Der Sessel rettet meinen Nacken, nicht meine Nase.</p><p>Er reicht mir ein kleines schwarzes K&#228;stchen.</p><p>Ich halte den Atem an, w&#228;hrend er zeigt,</p><p>wie es am Brillenb&#252;gel einrastet.</p><p>Ein Klick, weich ged&#228;mpft, als w&#252;rde etwas zustimmen.</p><p>Ein zweiter Betreuer wandert wortlos die Reihe entlang.</p><p>Pr&#252;ft NeuroCaps, setzt sie auf, zupft zurecht.</p><p>Seine H&#228;nde sind ruhig. Fast &#228;rztlich.</p><p>Er riecht nach Seife.</p><p>Leider nach der Billigen der Hallenklos. Dennoch eine Verbesserung.</p><p>Die Stimmung: freundlich, seltsam angespannt.</p><p>Wie im Wartezimmer, wenn niemand den Blick hebt, weil Du nicht wei&#223;t, ob den andere was noch Schlimmeres erwartet als Dich.</p><p>Nur dass wir alle freiwillig hier sind.</p><p>Zwei Sitze weiter: schwarze Sneaker.</p><p>Links ein Staubrand, hellgrau.</p><p>Nicht alt, nicht neu &#8211; unterwegs.</p><p>Tippeln, als w&#228;ren sie noch nicht angekommen</p><p>Wie ich. Vielleicht.</p><p>Meine Schuhe stehen still, aber die Sohlen wollen los.</p><p>Wir warten.</p><p>Weiches Licht.</p><p>Hintergrundger&#228;usche der FutureZone: Stimmen, Gl&#228;serklirren, ein entferntes Surren.</p><p>Was Papa und Max wohl gerade machen?</p><p>Ich freu mich auf ihre Merch-Beute.</p><p>Vielleicht erw&#228;hne ich den Geruchswolkenhelfer. Vielleicht nicht.</p><p>Ein Klick.</p><p>Das Visier schiebt sich vor meine Augen &#8211; sanft, aber unabwendbar.</p><p>Mein Stuhl ruckt.</p><p>Schwarz. Licht. Atem. Herzschlag.</p><p>Ich blinzele &#8211; und stehe.</p><p>Kinsa</p><p>Ich stehe in &#8230; nein, auf &#8230;</p><p>Warte.</p><p>Nein. Ich sitze doch.</p><p>Meine Finger suchen das Visier.</p><p>Ich sehe meine Hand.</p><p>Eigenartig.</p><p>Ein Wimpernschlag sp&#228;ter.</p><p>Neu sortiert.</p><p>Ich stehe.</p><p>Irgendwo.</p><p>Nicht auf einem Boden &#8211; und doch sp&#252;re ich etwas unter meinen F&#252;&#223;en.</p><p>Fest. Ruhig. Unwirklich.</p><p>&#8222;Systemanpassung. Rekalibrierung des visuellen Sensors.&#8220;</p><p>Die Stimme klingt nah und fern zugleich, als w&#252;rde sie durch meinen eigenen Sch&#228;del hallen.</p><p>Jetzt: Betonboden.</p><p>K&#252;hl. K&#246;rnig.</p><p>Nichts Spektakul&#228;res &#8211; aber sicher.</p><p>Und dann: Raum.</p><p>Nur Raum.</p><p>Kein Rand. Keine Wand. Kein Oben, kein Unten.</p><p>Und trotzdem stehe ich, als k&#246;nnte mich nichts umwerfen.</p><p>Die anderen stehen auch.</p><p>Kleidung. Haare. H&#228;nde &#8211; vorsichtig nach vorn tastend.</p><p>Die Frau, die vorhin direkt beim Eingang sa&#223;, steht jetzt schr&#228;g gegen&#252;ber.</p><p>Sie hebt langsam die Arme, als wolle sie die Luft pr&#252;fen.</p><p>Eine andere dreht sich auf Zehenspitzen, scheu wie auf fremdem Eis.</p><p>Kein Laufen. Nur tastende Halbbewegungen.</p><p>Ein Kichern. Leise. Zieht durch den Raum wie ein Faden.</p><p>Erste Stimmen.</p><p>&#8222;Krass.&#8220;</p><p>&#8222;Siehst du mich?&#8220;</p><p>&#8222;Ich seh dich &#8230; so &#8230; wie du bist?&#8220;</p><p>Unsere Gesichter: ein L&#228;cheln, halb vertraut, halb verwundert.</p><p>Wir nicken.</p><p>Wir l&#228;cheln.</p><p>Ganz normal.</p><p>Und gleichzeitig &#252;berhaupt nicht.</p><p>Ich bin hier, ohne hier zu sein.</p><p>Einfach als ich.</p><p>So, wie ich eben bin.</p><p>Genauso, wie wir eben waren.</p><p>Selbst die Flasche steckt in der Cargohose.</p><p>Die Stimme kommt nicht von vorn.</p><p>Nicht von oben.</p><p>Nicht aus einer bestimmten Richtung.</p><p>Sie ist einfach da.</p><p>Um mich. &#220;ber mir. Unter mir.</p><p>In mir.</p><p>Ruhig. Freundlich.</p><p>Mit einer Spur Humor, den sie fast versteckt.</p><p>&#8222;Ja. Schaut euch um.</p><p>Ja, das seid ihr.</p><p>Genauso, wie ihr seid.</p><p>Drau&#223;en.</p><p>Und hier drin.&#8220;</p><p>Eine kurze Stille, die nachhallt, als h&#228;tte der Raum selbst die Luft angehalten.</p><p>&#8222;Erinnert ihr euch an den Metallrahmen beim Eingangscheck?&#8220;</p><p>&#8222;Der war mehr als ein Metalldetektor.&#8220;</p><p>&#8222;Wir nennen ihn: RAISE &#8211; Realistic Avatar Imaging &amp; Synchronization Environment.&#8220;</p><p>Ein winziges, programmiertes Z&#246;gern.</p><p>&#8222;Klingt gut, oder?&#8220;</p><p>Ein Lachen. Leise. Nah.</p><p>Kein Flimmern aus dem Fernsehen.</p><p>Keine grelle Tutorial-Stimme.</p><p>Mehr wie ein Mensch.</p><p>Oder wie etwas, das unbedingt menschlich wirken will.</p><p>Mit wechselndem Erfolg.</p><p>&#8222;Ihr habt euch selbst mitgebracht.</p><p>Und das ist mehr, als viele von euch glauben.&#8220;</p><p>Sami</p><p>Unwillk&#252;rlich bewege ich meine Hand. Hin, her.</p><p>Ganz normal. Jede Linie, jede winzige Narbe &#8211; auch die am Finger, von der nur ich wei&#223;, wie sie dahin gekommen ist.</p><p>Nur der eingerissene Nagel von vorhin ist verschwunden. Glatt. Heil.</p><p>Damit kann ich leben. Mehr als leben.</p><p>&#8222;In den n&#228;chsten 45 Minuten &#8230;&#8220;</p><p>Was? 45 Minuten?</p><p>Nicht f&#252;nf, nicht zehn &#8211; f&#252;nfundvierzig.</p><p>Ein ganzes Level. Ein halber Film. Ein Leben in Kurzfassung.</p><p>Mega.</p><p>Und ich bin jetzt schon gehypt. Was soll da noch kommen?</p><p>Etwas in die Hand?</p><p>Raumwechsel?</p><p>4D-Kino auf Steroiden?</p><p>Den IMAX-Sound hat die Stimme jedenfalls schon im Blut.</p><p>&#8222;&#8230; k&#246;nnt ihr euch an verschiedenen Spieltechniken ausprobieren. Erwartet ruhig mehr. Hier ist alles ein bisschen mehr. Vielleicht sogar realer als das, was ihr kennt.&#8220;</p><p>Das Lachen danach &#8211; absurd. Fast zu sauber, als h&#228;tte jemand &#8222;menschlich klingen&#8220; als Tonspur eingespielt.</p><p>Vielleicht sind KI-Stimmen doch nicht das Optimum f&#252;r diesen Moment.</p><p>Aber was soll&#8217;s.</p><p>Ich bin schon jetzt mittendrin.</p><p>Keine Ahnung, wie ich das Papa und Max erkl&#228;ren soll.</p><p>Ich f&#252;hle, wie ich hier stehe. Ich sehe es nicht nur &#8211; ich bin hier.</p><div><hr></div><p><em>Dieser Text ist Teil 2 der ersten Staffel der seriellen Geschichte FutureZone.<br>Teil 3 der ersten Staffel erscheint am 23. April.</em></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://targya.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Prolog, Teil 2 [FutureZone]]]></title><description><![CDATA[Kinsa Ein Blick nach oben: der n&#228;chste Regenguss naht.]]></description><link>https://targya.substack.com/p/prolog-teil-2-futurezone</link><guid isPermaLink="false">https://targya.substack.com/p/prolog-teil-2-futurezone</guid><pubDate>Thu, 05 Feb 2026 06:00:38 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ktZS!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4efcf844-bdc6-4943-8ac3-87445fd2623c_512x512.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Kinsa</p><p>Ein Blick nach oben: der n&#228;chste Regenguss naht.</p><p>Schnell nutze ich die n&#228;chste Gelegenheit.</p><p>Die Glast&#252;ren wischen mit einem aufdringlichen Knorrrrrk zur Seite.</p><p>Wohlige W&#228;rme und die &#252;blichen Verkaufsger&#228;usche umfassen mich.</p><p>Piepen. Gespr&#228;chsfetzen. Knackende Lautsprecher.</p><p>In der Luft ein Mix aus neuer Baumwolle und diesem leicht stechenden Kunststoffgeruch frischer Verpackungen.</p><p>Ich greife wahllos nach ein paar Oberteilen, schiebe demonstrativ B&#252;gel hin und her.</p><p>Oh mein Gott. Nein. Gruselig &#8211; ganz sicher nein!</p><p>Tragen die aus der Zehnten.</p><p>Okay, damit kann ich leben. Nicht meins, aber okay.</p><p>Ich nehme &#8222;Geht so&#8220; und &#8222;Okay&#8220; und gehe zu den Kabinen.</p><p>Keine Warteschlange. Eine Kabine frei.</p><p>Vorhang zu, rosa Flitterwolke und gr&#252;nliche Leggins zur Seite.</p><p>Das Licht ist grell und scharf, als w&#252;rde es jeden Faden z&#228;hlen.</p><p>Hoffentlich stammen die St&#252;cke von zwei verschiedenen Leuten.</p><p>Aus der Nachbarkabine Gekeife:</p><p>&#8222;Nu hab dich nicht so und zieh dich an. Ich guck dir schon nichts weg!&#8220;</p><p>Cringe. Fremdsch&#228;m.</p><p>&#8222;Zieh dich endlich an, wir haben ja nun wirklich nicht ewig Zeit.</p><p>Willst du das noch?</p><p>Sag schon!&#8220;</p><p>Ein Vorhang wusch. Erschrockenes Atmen.</p><p>&#8222;Mach den Vorhang zu! Ich hab nichts an!!!&#8220;</p><p>Wusch. Privatsph&#228;re wieder gesichert.</p><p>&#8222;Dein Kind kann sich mal wieder nicht entscheiden.</p><p>Sag du doch auch mal was!&#8220;</p><p>Klappernde Kleiderb&#252;gel. Stampfende Schritte entfernen sich.</p><p>&#8222;Alles okay, Kleiner?&#8220;</p><p>&#8222;Hmm.&#8220;</p><p>&#8222;Kennst sie ja. Und es ist ja auch sch&#246;n bei Oma?!&#8220;</p><p>Seufzer im Gleichklang.</p><p>&#8222;Such dir einfach was raus und dann gehen wir was essen!&#8220;</p><p>Noch ein Seufzer. Fast hoffnungsvoll.</p><p>Nebenan klappern wieder B&#252;gel.</p><p>Vor den Vorh&#228;ngen wird das Handy lauter gestellt:</p><p>&#8222;&#8230; Aktie des Neurosimulationsunternehmens HYPNOS ARTS setzt ihren H&#246;henflug fort. Analyst:innen erwarten starken Zulauf durch die Pr&#228;sentation des lang erwarteten SOMA &#8230;&#8220;</p><p>Der Ton wird abrupt gestoppt.</p><p>&#8222;Und, hat er nun was ausgesucht?&#8220;</p><p>Nein, dann lieber Regen.</p><p>Ich greife meine Sachen, verlasse die Kabine.</p><p>Flitterkram und Leggins bleiben zur&#252;ck.</p><p>Sami</p><p>Der Foodcourt ist voll &#8211; voll genug, dass jede Bewegung eine kleine L&#252;cke braucht, aber nicht so voll, dass ich ihn meiden w&#252;rde. Essen geht schlie&#223;lich immer.</p><p>&#220;ber mir das Licht aus matten Paneelen, seitlich flimmern Werbeb&#228;nder in endloser Schleife. Zwischen den Ger&#228;uschen ein Bruchst&#252;ck Musik, ein abgerissenes Lachen, Stimmen, die um Aufmerksamkeit buhlen &#8211; alles auf einer Ebene, wie durch einen D&#228;mpfer, als h&#228;tte jemand den Regler runtergezogen.</p><p>Ich schiebe mich an eine der Bestellw&#228;nde. Mein Konto blinkt mir entgegen: Punkte, Historie, Vorlieben. Allergien? Keine. </p><p>Die Maschine schl&#228;gt mir ein Men&#252; vor, das ich beim letzten Mal geliked habe &#8211; nicht dasselbe, sondern eine optimierte Version, frisch im System.</p><p>&#8222;FutureFood&#8220;, prangt daneben, samt dem grellen Logo der FutureZone. Nat&#252;rlich.</p><p>&#8222;Ricebowl CrunchMix, extra spicy &#8211; 90 % Match.&#8220; Passt.</p><p>Ein Tipp auf &#8222;Bestellen&#8220;. Effizient. Fast zu glatt. Nummer 17.</p><p>&#220;ber dem Counter l&#228;uft die Anzeige. Bestellung 14 ist dran. Ich drehe mich halb zur Seite, lehne mich ans Panel. Der Raum hinter mir verschwimmt: Ger&#252;che, Stimmen, Bewegungen &#8211; alles aus dem Fokus gedr&#228;ngt, bis nur noch die wei&#223;e, pulsende Ziffer vor mir bleibt.</p><p>Kinsa </p><p>Pommes. Ich wollte Pommes.</p><p>Schon beim Reinkommen hatte ich mir das eingeredet &#8211; Salz, Fett, goldene St&#228;bchen, die so hei&#223; sind, dass sie die Finger brennen lassen.</p><p>Aber die Schlange ist absurd lang, zieht sich wie eine tr&#228;ge Raupe vor der Fritteusenlady entlang, die aussieht, als h&#228;tte sie ihren letzten Urlaub vor der Pandemie gehabt und seitdem in diesem Neonlicht steht.</p><p>Die Pommes dampfen in der Ferne, aber ich sehe schon: Wenn ich mich anstelle, bin sie kalt, bevor ich dran bin.</p><p>Ich scanne die anderen Theken.</p><p>Fischiges, das im &#214;l blubbert, Fleischiges, das gl&#228;nzend unter W&#228;rmelampen liegt, Veggies in zu ordentlich arrangierten Portionen, und Cr&#234;pes, die im Minutentakt gef&#252;llt und zusammengefaltet werden.</p><p>Eine Gruppe zieht an mir vorbei, im Schlepptau der Duft von gebratenem H&#228;hnchen &#8211; knusprig, w&#252;rzig, warm.</p><p>Der Geruch wickelt sich um meinen Magen wie ein freundlicher Arm, der zufl&#252;stert: &#8222;Du wei&#223;t doch l&#228;ngst, dass es das wird.&#8220;</p><p>Mein Magen ist sofort &#252;berzeugt, mein Kopf hinterher.</p><p>Die Bestellwand rechts ist frei.</p><p>Ich tippe aufs Display, w&#228;hle Sprache, &#8222;Hier essen&#8220;.</p><p>Das Men&#252; blinkt auf &#8211; bunte Bilder, gl&#228;nzende Oberfl&#228;chen, kleine Animationen wie einladende Wimpernschl&#228;ge.</p><p>Deal 5 mit extra So&#223;e. Kein Nachtisch, obwohl das Bild vom Schokokuchen mir kurz in den Bauch sticht.</p><p>Keine Punkte einl&#246;sen. Keine Spende.</p><p>Absenden.</p><p>&#8222;Bitte folgen Sie den Anweisungen auf dem Terminal.&#8220;</p><p>&#8222;Gerne doch &#8211; und bitte folg du meiner Bitte und mach schnell!&#8220;</p><p>Karte ranhalten. Die Maschine tut, was Maschinen tun: r&#246;delt, piept, spuckt meinen Beleg aus.</p><p>Nummer 18.</p><p>Ich trete zur Seite, checke den Bildschirm &#252;ber dem Counter. Bestellung 15 ist gerade dran &#8211; zwei vor mir, drei, wenn man Pech mitz&#228;hlt.</p><p>Ich lehne mich halb seitlich ans Panel, sp&#252;re das kalte Metall im R&#252;cken und die W&#228;rme des Rucksacks neben mir.</p><p>Daneben eine Seitenansicht, die zwischen Bildschirm und Handy hin- und herspringt, mit der Unruhe von jemandem, der gleichzeitig warten und schon woanders sein will.</p><p>Kommt mir bekannt vor, wie ein Name, der auf der Zunge liegt und nicht kommt.</p><p>Mein Magen meldet sich wieder &#8211; leer, fordernd, begleitet vom w&#252;rzigen Hauch der H&#228;hnchentheke, der immer noch in der Luft h&#228;ngt, als w&#252;sste er genau, wie lange ich noch warten muss.</p><p>Sami </p><p>Zwei Tische entfernt stehen die wei&#223;en Sneaker, die eben noch neben mir am Counter gewartet haben &#8211; makellos wei&#223;es Leder, eine d&#252;nne blaue Ziernaht, wippen leicht im Rhythmus irgendeines Beats, den nur sie h&#246;ren. Die Schn&#252;rsenkel sind so sauber, dass sie fast leuchten. Nice.</p><p>Ich l&#246;ffle meine Bowl, der L&#246;ffel kratzt sanft am Rand, und scrolle durch die neuesten Posts. Zeven ist noch immer angefressen. Immer dasselbe, sobald ihm jemand widerspricht &#8211; drei Stories in Folge nur mit schwarzem Hintergrund und diesem einen &#128580;-Emoji. Die Kleine aus dem Chemiekurs hat wieder einen Zusammenbruch &#8211; warum quietscht sie das in der Klassengruppe aus? Will sie Mitleid, Klicks oder einfach alles auf einmal? Der Kommentarbereich ist schon ein Schlachtfeld.</p><p>Hausaufgaben. Transfermarkt. Ein Typ verkauft jetzt das Bild von seinem Fr&#252;hst&#252;ck als NFT. Angeblich schon drei Gebote, lol. </p><p>Bei Pevar bleibe ich h&#228;ngen. Sein Dad ist irgendwas in einer gro&#223;en Firma &#8211; Marketing oder so &#8211;, hat Kohle, Connections, wahrscheinlich einen Kaffeevollautomaten im B&#252;ro, der besser ist als meine Zukunftsaussichten. Pevar hat schon Karten f&#252;r heute und postet:</p><p>&#8222;EyMan POV Hinter den Kulissen &#128293; Sieht echt gut aus hier. Fancy. SOMA wird fett! #CheckedIhrs?&#8220;</p><p>Ein Video startet automatisch. Die Halle sieht echt nach was aus: gro&#223;es, schwarzes Halbrund wie eine Schlafmuschel, gl&#228;nzend wie frisch polierter Lack, geschlossen wirkendes B&#252;hnenlayout, als w&#252;rde es Geheimnisse f&#252;r sich behalten wollen. Kurz ein Kameraschwenk, dann ein verschwommener Gang voller Kabel und Cases, irgendwo blinkt ein gr&#252;nes Licht.</p><p>Ich tippe: &#8222;Ey, wann geht&#8217;s los?&#8220;</p><p>Noch einen Happen Reis.</p><p>Drei Punkte erscheinen, z&#246;gern, verschwinden kurz, tauchen wieder auf.</p><p>&#8222;Noch zwei Stunden, dann machen die erst richtig auf.&#8220;</p><p>Dazu sein Bild mit Wichtig-Ausweis am Schl&#252;sselband, so hochgehalten, als w&#228;re er Pr&#228;sident des Backstage-Clubs.</p><p>&#8222;Ich kann hier aber schon rumlaufen. Ziemlich l&#228;ssig. Hast du auch Karten?&#8220;</p><p>Ich nicke vor mich hin, tippe &#128077;&#127995;. Korrekt.</p><p>Wechsle den Bildschirm.</p><p>Die wei&#223;en Sneaker sind inzwischen in Bewegung, sortieren Tablett, Tasche und T&#252;te, alles pr&#228;zise wie in einem Tutorial-Video: Becher rechts, Tasche an den Haken, T&#252;te so gefaltet, dass kein Kr&#252;mel rausf&#228;llt. Ich habe pl&#246;tzlich Lust auf Musik, scrolle durch meine Playlist &#8211; einmal quer durch alle Genres &#8211;, bleibe bei einem alten Song h&#228;ngen, den ich seit Monaten skippe. Ich tippe Play. Zwei Minuten sp&#228;ter, als ich wieder hochblicke, sind die Sneaker verschwunden. Kein Ger&#228;usch, keine Spur. Nur der Stuhl noch warm, denke ich und auf dem Tisch ein einzelnes Papierservietten-Dreieck, das im Luftzug flattert.</p><div><hr></div><p><em>Dieser Text ist der Auftakt einer seriellen Geschichte.<br>Teil 1 der ersten Staffel erscheint am 26. Februar.<br>Teil 2 der ersten Staffel erscheint am Ende M&#228;rz.</em></p><p><em>Wer die Geschichte komplett lesen m&#246;chte, kann dies per Abo tun.</em></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://targya.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Prolog, Teil 1 [FutureZone]]]></title><description><![CDATA[Sami Ich wache nicht auf.]]></description><link>https://targya.substack.com/p/prolog-teil-1-futurezone</link><guid isPermaLink="false">https://targya.substack.com/p/prolog-teil-1-futurezone</guid><dc:creator><![CDATA[Targya - Cursorherz]]></dc:creator><pubDate>Thu, 29 Jan 2026 06:00:35 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ktZS!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4efcf844-bdc6-4943-8ac3-87445fd2623c_512x512.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Sami</p><p>Ich wache nicht auf. Ich tauche auf.</p><p>Die Ger&#228;usche kommen zuerst: die Treppe, V&#246;gel, Sp&#252;lung.</p><p>T&#252;ren klappern und der Nachbarshund ist auch wach.</p><p>Ich angle nach dem Kabel.</p><p>Greife das Handy.</p><p>Mein K&#246;rper sortiert sich von allein.</p><p>Ich liege r&#252;cklings.</p><p>Ausgestreckt.</p><p>F&#252;&#223;e. Anwesend.</p><p>Hand h&#228;lt Handy, irgendwo weit rechts von mir. </p><p>Klopfen an der T&#252;r. Jemand redet.</p><p>Vermutlich Papa.</p><p>Stimme passt.</p><p>Lichtverh&#228;ltnisse &#8211; zu hell &#8211; passen.</p><p>Kontext &#8211; Weckzeit &#8211; passt.</p><p>Ich krieg die Botschaft nicht ganz mit. Irgendwas mit... Toast?</p><p>Toast klingt gut.</p><p>Kein Aufwand. Nur kauen. </p><p>Bevor ich mich entschlie&#223;en kann, aufzustehen, erneute Stimmen an meiner T&#252;r.</p><p>Max: &#8222;Bad ist frei!&#8220;</p><p>Unertr&#228;glich wach der Mann!</p><p>Autopiloteinstellung findet das Bad.</p><p>Zahnpasta. B&#252;rste. Zwei Minuten.</p><p>Ich stehe. Ich z&#228;hle nicht mit. Ich wei&#223;, wann es vorbei ist.</p><p>Spucken, Wasser, Handtuch. Fertig.</p><p>Ich funktioniere weiter: Kleidung.</p><p>Die Sachen von gestern. Perfekt vorbereitet in gut erreichbarem H&#228;ufchen zu meinen F&#252;&#223;en.</p><p>Handy, Ipad. Ich w&#228;hle die Treppe nach unten.</p><p>Am Tisch sitzen wir uns gegen&#252;ber. </p><p>Toast liegt auf dem Teller.</p><p>Schon kalt. Ich bin nicht wach genug, um zu protestieren. </p><p>Knabbere, kaue, schlucke.</p><p>Max gibt Papa einen Kuss, nickt und macht sich auf den Weg. </p><p>Papa bleibt vor seinem leeren Teller sitzen.</p><p>&#8222;Heute noch was Wichtiges?&#8220;</p><p>&#8222;Nicht so wirklich. Pr&#228;sentation von letzter Woche wird zur&#252;ckgegeben.&#8220;</p><p>Er nickt. &#8222;Und?&#8220;</p><p>&#8222;Ok.&#8220;</p><p>&#8222;Ich bin gespannt.&#8220;</p><p>Er greift nach seiner Tasse, trinkt, schluckt. L&#228;chelt. Nickt.</p><p>Ich wei&#223;, dass er mehr sagen k&#246;nnte. </p><p>Er will auch.</p><p>Aber er kennt mich. Sp&#228;ter, wenn der Tag gestartet ist, reden wir.</p><p>Sicher.</p><p>Noch nicht.</p><p>Ich bin noch nicht hochgefahren.</p><p>Kinsa</p><p>Ich wache vor dem Wecker auf. Ich hasse es, wenn er mir das Gef&#252;hl gibt, zu sp&#228;t zu sein.</p><p>Heute brauche ich ihn nicht.</p><p>Sekunden noch Ruhe und in die warme Decke atmen.</p><p>Das Gef&#252;hl von Weichheit auf meiner Haut.</p><p>Ich taste nach meinem Handy.</p><p>Nein, h&#228;ngt dr&#252;ben am Strom.</p><p>Ich schiebe mich aus dem warmen Kokon. Stehe. Dehne mich.&#8220;</p><p>Ins Bad. Niemand im Flur.</p><p>Die Routine. Routiniert.</p><p>Zur&#252;ck im Zimmer, Griff in die Schublade, alles bereit. </p><p>Alles deutet auf einen Wohlf&#252;hltag.</p><p>Die schwarze Hose h&#228;ngt &#252;ber dem Schreibtischstuhl, den Pullover fische ich neben meinem Bett vom Boden.</p><p>Schn&#252;ffeltest.</p><p>Geht.</p><p>Die Playlist spielt schon. Keine Zufallsfunktion. Ich bestimme die Reihenfolge.</p><p>Im Spiegel nicke ich mir zu. Keine Katastrophe in Sicht.</p><p>Rechts unten abgeheilt.</p><p>Links, damit muss ich leben.</p><p>Kette, G&#252;rtel, Knopf zu machen.</p><p>Ich bin ger&#252;stet f&#252;r die Welt.</p><p>In der K&#252;che sitzt mein kleiner Bruder mit Milchbart und Kartenspiel. Flakes, Milch, kleine Tomaten.</p><p>Mama h&#228;lt mir fragend den Orangensaft hin.</p><p>Klar!</p><p>&#8222;Danke.&#8220;</p><p>&#8222;Musst du heute dein Referat halten?&#8220;</p><p>Ich nicke.</p><p>&#8222;Wenn du verkackst, krieg ich deinen Controller&#8220;, qu&#228;kt Mark.</p><p>Ein Blick von Mama.</p><p>&#8222;Musst du dich nicht um deine Karten k&#252;mmern?&#8220;</p><p>Diesmal gilt Mamas Blick mir.</p><p>Ich nicke, wende mich dem Milchgesicht zu.</p><p>L&#228;cheln. Checked.</p><p>Gro&#223; und vern&#252;nftig Modus. Checked.</p><p>Ernst nehmen? Vergiss es.</p><p>&#8222;Wie kommst Du auf so einen Mist?</p><p>Papa sagt, wenn man was verkackt-</p><p>&#8222;Mark!&#8220; </p><p>Mama dazwischen.</p><p>&#8222;Wenn man was vermistbautet, muss man was abgeben! Und weggeworfen wird nichts, also bekomm ich den.&#8220;</p><p>Bruderlogik.</p><p>Ich sch&#252;ttle den Kopf.</p><p>Ich halte ihm eine Banane hin.</p><p>&#8222;Willst Du Scheibchen?&#8220;</p><p>Er nickt wild. Ich grinse.&#8220;. Funktioniert immer.</p><p>Mama streicht mir die Schulter, kaum sp&#252;rbar. Kein gro&#223;er Auftritt, keine Durchhalteparolen. Nur:</p><p>&#8222;Viel Erfolg, Schatz.&#8220;</p><p>Ich mag es, wenn alles einfach&#8230; l&#228;uft.</p><p>Sami</p><p>Die T&#252;r schnappt hinter mir ins Schloss. Drei Schritte. Ein Ruck &#8211; meine Tasche bleibt an der Klinke h&#228;ngen.</p><p>Alexa: Licht im Flur!</p><p>Ich winde meinen Arm aus der Jacke und sch&#252;ttle sie &#252;ber den Schuhschrank. Beide Schuhe rutschen &#252;ber den Boden und finden ihren angestammten, hart eroberten Platz neben dem Schulregal auf dem Boden. Wozu gibt es Schuhregale? Ich brauch die doch eh bald wieder. </p><p>Pizza, Maultaschen, Gratin. Drei Optionen. Dreimal: Ach?!</p><p>In Gedanken gehe ich die M&#246;glichkeiten, die der Vorrat vermutlich hergibt durch. Gemessen am Aufwand: K&#252;hlschrank - nur eine Treppe, Tiefk&#252;hl - zwei Treppen (und eine wieder hoch). </p><p>Ich sitze schon. Der Rechner ist eh an.&#8220;Ich lege mein Handy zur Seite, klicke auf das Icon und habe jetzt keinen Hunger.</p><p>Ich scrolle durch die News &#8211; neue Hitzewelle, Interview mit der Bildungsministerin, Reels &#252;ber Nachhaltigkeit. Alles wie immer.</p><p>Zwei Stunden sp&#228;ter. Ich habe immer noch nicht entschieden, wie gro&#223; mein Hunger ist. Es klopft. Papa kommt rein. </p><p>&#8222;St&#246;r ich?&#8220;</p><p>&#8222;Nein&#8220;</p><p>Ich warte. Er wartet.</p><p>&#8222;Ja?&#8220;</p><p>&#8222;Ich will Dich nicht st&#246;ren&#8220;</p><p>&#8222;Tust Du nicht.&#8220;</p><p>Ich greife nach meinem Headset und schiebe einen H&#246;rer hinter mein Ohr. Eine Einladung.</p><p>&#8222;Ich dachte, Du hast vielleicht Lust?&#8220;</p><p>Er legt zwei Karten auf den Tisch.</p><p>Ich sehe das Logo, die Icons. #FutureZone25</p><p>&#8222;Aber wenn Du nicht m&#246;chtest&#8220;</p><p>Seine Hand bewegt sich zu den Karten.</p><p>Ich wippe auf meinen Stuhl und greife ebenfalls zu. Ich bin schneller. L&#228;chle.</p><p>&#8222;Klar Papa&#8220;</p><p>&#8222;Gut. Hmm, dann fahren wir am Samstag&#8220;</p><p>&#8222;Ok&#8220;</p><p>&#8222;Hmm. Ich bin dann mal wieder unten. St&#246;r ich dich nicht l&#228;nger&#8220;.</p><p>Er dreht sich um, legt seine Hand auf die Klinke.</p><p>&#8222;Papa?&#8220;</p><p>&#8222;Ja?&#8220;</p><p>&#8222;Danke!&#8220;</p><p>Er zuckt nur kurz mit den Achseln, dreht sich um, aber ich f&#252;hle, wie er l&#228;chelt.</p><p>Kinsa</p><p>Es regnet schon wieder und nat&#252;rlich schon wieder an dem Tag, an dem ich die rote Hose mit dem weiten Bein anziehen wollte. In einem Reel hab ich gelesen, dass das Murphys Gesetz ist. Kann es ein Murphys Gesetz f&#252;r meine Kleidung geben?</p><p>Ich notiere: Rote Hose. Regen. Uhrzeit. Datum. Nur f&#252;r den Fall.</p><p>Ich bin gespannt, ob sich daraus ein Muster ergeben kann und ob ich es lenken k&#246;nnte, also immer, wenn ich die rote Hose anziehe wird es regnen oder funktioniert es nur andersherum? Wenn ich die Hose anziehen will, regnet es?</p><p>Wie auch immer, es regnet. </p><p>&#8222;Ich habe die schwarze Hose an. Sie klebt regenschwer an meinen Beinen.&#8220; Doppeltgestraft!</p><p>In der Pause diskutieren wir die neuen Posts &#252;ber die Future Com.</p><p>Pedwar sagt, dass er auf jeden Fall hingehen wird. Zhinda hat keine Karten mehr bekommen. </p><p>Ich verspreche von allen wichtigen St&#228;nden Selfies zu schicken. Ich mag Zhinda nicht besonders.</p><p>&#8220;Vielleicht k&#246;nnen wir ja auch ein Video Call machen?&#8221;</p><p>&#8220;Vergiss es, das ist es nur laut.&#8221;</p><p>&#8220;Also, als ich letztes Mal da war, gab&#8217;s auch leise Ecken&#8221;.</p><p>&#8220;Aber von da willst keinen Call. Da isses langweilig!</p><p>&#8220;Wei&#223;t Du, wer immer in solchen Ecken sitzt und postet?&#8221;</p><p>&#8220;Nicht bashen!&#8221;</p><p>&#8222;Ich hab doch gar nicht &#8211; und&#8230;&#8220;</p><p>Die Klingel unterbricht uns.</p><p>Mathe wartet.</p><p>Fast genauso schlimm wie eine nasse schwarze Hose.</p><p>Sami</p><p>Ich sch&#228;le mich aus meinem nassen Hoodie. Regen, Scooter und ich &#8211; keine Freunde, aber &#8217;ne funktionierende Notgemeinschaft.</p><p>Papa ist noch nicht da. Ich lasse mich in meinen Stuhl fallen, die Lehne wippt, knarrt bedenklich &#8211; h&#228;lt aber.</p><p>&#8222;Kannste 2?&#8220;</p><p>ploppt auf meinem Display auf. Hausaufgaben-Fragestunde bei WhatsApp, wie immer. Ich g&#228;hne.</p><p>Normalerweise w&#252;rde ich das ignorieren, aber mir ist langweilig &#8211; und der Treiber installiert sich grad in episch.</p><p>Ich angle mein iPad aus der Tasche, werfe einen Blick auf die Tasks f&#252;r morgen.</p><p>&#8222;ChatGPT, nenn mir drei Gr&#252;nde f&#252;r die globale Erw&#228;rmung.&#8220;</p><p>Letztes Jahr musste ich das noch per Hand schreiben. Ich hasse Handschrift! Uncool und unn&#246;tig.</p><p>Ich formuliere den dritten Punkt um, baue zwei Rechtschreibfehler ein. Senden.</p><p>Der schaut sich das eh nie an.</p><p>Es stehen noch Vokabulary Lection 12 und Musik auf der Liste.</p><p>Musik? Einfach. Lassen. Die ist echt okay und sagt nichts, wenn ich sag, dass ich&#8217;s nicht check. Stimmt ja.</p><p>Lection 12.</p><p>Ich scrolle, z&#228;hle: 41 Eintr&#228;ge. Ernsthaft?</p><p>Ich &#252;berfliege die W&#246;rter. Kenn ich.</p><p>Und die, die ich nicht kann &#8211; werden schon nicht drankommen.</p><p>Wenn ich von 12 sechs wei&#223;, muss ich bei zwei Gl&#252;ck haben &#8211; reicht.</p><p>Ich guck&#8217;s mir morgen fr&#252;h nochmal kurz an.</p><p>Das iPad landet auf meiner Tasche.</p><p>Ich f&#252;hl mich produktiv. Der Treiber ist durch. Heute grind ich auf Victory &#8211; diesmal ohne Meme-Drop.</p><p>Sami</p><p>Ich laufe durch die Stadt. Ohne vern&#252;nftige Kopfh&#246;rer halte ich das nicht l&#228;nger aus.</p><p>Alles laut, alles falsch.</p><p>Der Verkehrsl&#228;rm krallt sich in meine Ohren, vermischt sich mit Stimmenfetzen, Gel&#228;chter, aggressivem Hupen. Lautsprecher br&#252;llen in zwei verschiedenen Rhythmen, einer immer einen Schlag zu sp&#228;t, als w&#252;rden sie um Aufmerksamkeit k&#228;mpfen.</p><p>Ich weiche aus, schiebe mich seitlich zwischen einer Frau mit klappernden Abs&#228;tzen und einem Jungen, der sein Handy wie einen Kompass vor sich h&#228;lt. &#220;berhole die Langsamen, deren Schritte wie Gummi kleben. Mein Blick klebt am Display &#8211; Stores durchscrollen, Preise, &#214;ffnungszeiten. Welcher lohnt den Betretungsaufwand? Notfalls Click-n-Collect. Papa wei&#223;, dass ich sp&#228;ter komme.</p><p>Vor mir zuckt ein Werbebanner im Schaukasten, als h&#228;tte es einen elektrischen Schluckauf. Es vibriert. Wieder. Kurz. Farbfl&#228;chen flackern ineinander, schrille T&#246;ne, die nur in meinem Kopf zu sein scheinen. Worte zerfallen zu Mustern, die sich aufl&#246;sen wie Spuren im Wasser. Nur ein Bildwechsel.</p><p>Ein kurzer Druck hinter den Schl&#228;fen, kaum sp&#252;rbar &#8211; schon weg. Meine Schritte stocken, als w&#252;rde jemand von innen an der Bremse ziehen.</p><p>Zwei kreischend-gackernde Duftwolken dr&#228;ngen vorbei: Vape, s&#252;&#223; und verbrannt, als h&#228;tte Zucker auf einer Herdplatte zu lange gekocht, und Parf&#252;m, schwer wie ein Schlag mit einer Blumenkeule. Der Geruch bleibt an meiner Haut h&#228;ngen.</p><p>Definitiv nicht gut. Weitergehen.</p><p>Kinsa</p><p>Pickelpatches vergessen. Schon wieder. Das winzige Drama zwischen Haut und Spiegel.</p><p>Mama schreibt: Ist ok. Heute Selbstversorgung &#8211; Mark braucht neue Schuhe. Sie kann mich sp&#228;ter in der Stadt einsammeln.</p><p>Perfekt. Zeit f&#252;r einen Bubbletea.</p><p>Ich atme flach. Puderhauch, Deo, Plastik, der Biss scharfer Reiniger.</p><p>Ich scanne die Regale: erst der gute, m&#228;nnliche Duft vom Rasierzeug</p><p>-  Wirklich yammi! &#8211;</p><p>Trockenes Puder, fast schon altmodisch.</p><p>Danach das stechende Beissen der Reiniger, chemisch bis in die Nebenh&#246;hlen.</p><p>Gegen&#252;ber die n&#252;chterne Bindenecke, gleich daneben klebrig-s&#252;&#223; die Babyabteilung.</p><p>Hinten eine stechende Mischung: Fotochemikalie, Linse im Schwimmglas, Gummihaut von Kondomen.</p><p>Beinahe bleibe ich bei den Duschgels h&#228;ngen. Ocean Rush, Vanilla Dream, Cherry Kiss.</p><p>Ich zwinge mich an den Hautcremes vorbei. Habe Porenstripes im &#220;berfluss, mehr als ich je benutzen werde.</p><p>Greife, bezahle, raus. Nichts, wof&#252;r sich ein Posting lohnt.</p><p>Vor der T&#252;r st&#246;&#223;t mir jemand in die Seite.</p><p>Zu nah, zu schnell. Ich schaue nicht hin &#8211; zu sp&#228;t.</p><p>Ein R&#252;cken im Augenwinkel: Kapuzenpulli, schwarzer Rucksack.</p><p>Sami</p><p>Kopfh&#246;rer drin. Checked.</p><p>An der Kasse, an der T&#252;r, an jeder zweiten Wand &#8211; Plakate zur FutureZone.</p><p>Eigentlich freu ich mich drauf. Wirklich. Aber wenn es mich von allen Seiten anspringt, f&#252;hlt es sich an wie Begeisterungspflicht.</p><p>Hype bis in die Poren.</p><p>Andererseits: Letztes Jahr war&#8217;s wirklich cool.</p><p>Heute Morgen hat Brotka seinen Livestream angek&#252;ndigt.</p><p>SOMA auf SOFA &#8211; bescheuerter Titel, aber massentauglich.</p><p>Ich mag Brotka. W&#228;r schon was, den live zu sehen.</p><p>Keine Lust, nach Hause zu gehen. Also treibe ich durch die Stadt.</p><p>Schaufenster voller Schuhe, die aussehen, als wollten sie nie eingelaufen werden.</p><p>Werbung, grell und selbstzufrieden, starrt mir ins Gesicht.</p><p>Ein Geruch nach D&#246;ner h&#228;ngt in der Luft &#8211; warm, fettig, pfeffrig &#8211;, zupft an meinem Kragen.</p><p>Hunger? Vielleicht.</p><p>Ein Tropfen in meinem Nacken &#8211; kalt, scharf wie eine M&#252;nze aus Eis.</p><p>Zwei Sekunden sp&#228;ter drei, vier mehr.</p><p>Der Himmel hat sich heimlich verdunkelt, als h&#228;tte jemand den Bildschirm in den Nachtmodus geschaltet.</p><p>Unter das Vordach eines Ladens gefl&#252;chtet, blicke ich auf die Glasfront gegen&#252;ber.</p><p>Lautlos l&#228;uft ein Band: wei&#223;e Schrift auf dunkelblau, wie eingefrorene Sterne.</p><p>&#8222;Techkonzern pr&#228;sentiert auf der diesj&#228;hrigen FutureCom SOMA. Kurs: 174,90 &#164; (+12,3 %).&#8220;</p><p>F&#252;r einen Atemzug zittern die Buchstaben, als h&#228;tten sie kurz vergessen, wer sie sind. Dann stehen sie wieder still.</p><p>Ein B&#246;rsenticker als H&#246;hepunkt meines Tages. </p><p>L&#228;uft.</p><div><hr></div><p><em>Dieser Text ist der Auftakt einer seriellen Geschichte.<br>Der zweite Teil des Prologs erscheint am 05.02.26<br>Die erste Staffel beginnt Ende Februar.</em></p><p><em>Wer die Geschichte komplett lesen m&#246;chte, kann dies per Abo tun.</em></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://targya.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption"></p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item></channel></rss>