Als er aufwachte, war es kalt.
Kälter als jemals zuvor.
Er wusste, dass sie diese Zeit Winter nannten. Er wusste auch, dass das Weiße, Nasse, Unangenehme Schnee hieß. Was er nicht wusste, war, warum sie so begeistert davon waren. Ihre Jungen jauchzten und viele der Erwachsenen bekamen glänzende Augen.
Er hasste es hier. Seine Vorgesetzten hatten von einer kurzen Zeitspanne gesprochen. Er sollte beobachten, notieren und dafür sorgen, dass die Implantate auch funktionierten. Einzige Bedingung: Niemand durfte aufmerksam werden.
Und so hatte er sich angepasst. Wie bei den Studien zuvor hatte er von Flora, Fauna und sozialen Bewegungsmustern akribische Aufzeichnungen angefertigt, Statistiken erhoben, Daten analysiert und sich an die Umgebung angepasst. Niemand konnte ihm nachsagen, dass er es nicht versucht hatte.
Die Temperaturunterschiede, die hier herrschten, auszugleichen, war eine der größeren Herausforderungen gewesen. Als er ankam, war es nicht so schlimm gewesen. Es war nicht warm, aber wenigstens nicht unangenehm kalt. Die Abteilung zur Vorbereitung der Ankunft hatte ihm versichert, dass es bereits zu Klimaänderungen gekommen war. Er könne davon ausgehen, dass die Erwärmung auf dem ganzen Planeten bereits spürbar sei. Mitnichten!
So hatte er also diese Zeit, die sie hier Sommer nannten, überstanden. Im sogenannten Herbst trug er fröstelnd mehrere Schichten Thermal über seiner Außenhülle.
Aber das jetzt? Nein, das war zu viel. Er hatte einen Antrag auf Versetzung gestellt. Nun, nicht nur einen, mehrere. Alle waren abgelehnt worden.
Der Erste, weil noch nicht genug Details vorlagen.
Der Nächste, weil einige der Messwerte nicht plausibel waren. Was konnte er für irdischen Irrsinn?
Danach hat es nicht mal mehr eine Begründung gegeben.
Einfach nur abgelehnt.
Bei den Letzten sogar nur noch ein rotes Kreuz.
Missmutig führte er seinem Körper Nahrung zu. Bei diesen Temperaturen verbrauchte er deutlich mehr.
Das kleine Gerät, das ihm schon so viel Ablehnungen beschert hatte, vibrierte.
Natürlich, zu diesem Morgen passte auch nur noch ein dickes Nein.
Er versuchte, die Nachricht zu ignorieren.
Zog fröstelnd die oberen Gliedmaßen zusammen.
Der Thermostat war bereits bis zum Anschlag gedreht.
Vor der beschlagenen Öffnung sah er wirbelnde Schneeflocken.
Die Vibration endete.
Dann das Blinken.
Aber nicht das erwartete, gefürchtete Rot.
Nein, es war anders.
Er drehte seinen Körper und blickte auf die schimmernde Oberfläche.
Grün. Ein kräftiges, leuchtendes, verheißungsvolles Grün.
Genehmigt.
Er konnte zurückkehren.
Gleich würde er in sein Fahrzeug steigen.
Die Knöpfe hinter der Oberfläche drücken und nach Hause gehen.
Eine friedliche Ruhe breitete sich aus.
Eine Wärme, die nicht von außen kam.
Bedächtig, um nur nicht in letzter Sekunde aufzufallen, verließ er die Behausung, ging langsam nach unten. Als er hinaustrat, konnte ihm die Kälte nichts mehr anhaben.
Er spürte den Schnee unter sich, hinterließ Abdrücke.
Langsam ging er hinüber, öffnete das Gefährt und setzte sich hinein.
Nur eine sanfte Berührung, und die Konsole glitt zur Seite.
Ein Summen ertönte, die Tarnvorrichtung schaltete sich ein, und dann spürte er, wie er den Boden verließ und nach Hause flog.
Sein Nachfolger notierte:
„Es ist kalt hier, und irgendein Idiot hat Spuren hinterlassen, die ich nun beseitigen muss.
Liebe Kathrin Lange: Vielen Dank für die Inspiration.
Wenn du neugierig bist, was ich schreibe,
lies hier weiter oder schau auf www.cursorherz.de vorbei –
dort findest du auch alles, was schon erwerbbar ist.

